Eurozone: Inflationsrisiken nochmals höher


17.06.22 16:04
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Juni ist in Deutschland das zweite Entlastungspaket in Kraft getreten, das u.a. niedrigere Energiesteuern auf Kraftstoffe und das 9-Euro-Monatsticket enthielt, so die Analysten der Helaba.

Schon jetzt deute sich an, dass die preissenkende Wirkung an der Tankstelle schwächer als erhofft ausfallen werde. Woran liege das? Erstens sei der Preis für Brent-Öl mit aktuell 128 US-Dollar höher als noch im Mai. Die Analysten der Helaba haben ihre Prognose für die Ölpreise bis Ende des Jahres erhöht. Zweitens hätten sich zusätzlich die Benzin- und Dieselpreise von den Rohölnotierungen ein Stück weit entfernt. Das liege auch daran, dass viele Raffinerien am Kapazitätslimit produzieren würden, u.a. weil die Investitionen der Unternehmen in den letzten Jahren eher gering gewesen seien. Der geplante Umstieg auf die Elektromobilität dürfte hier ein Grund gewesen sein. Zusätzlich falle seit geraumer Zeit Russland als Diesellieferant weg. Zum Teil würden die Ölkonzerne die Steuersenkung tatsächlich auch für sich beanspruchen. Eine vollständige Überwälzung sei - ähnlich wie bei der Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 - auch nicht zu erwarten gewesen. Der Gaspreis habe sich im Zuge der jüngsten russischen Lieferreduktionen ebenfalls nochmals erhöht.

In der Summe dürfte die Inflationsrate im Juni weniger stark zurückgehen als bislang gedacht. Zudem seien die Preissteigerungen in vielen europäischen Ländern bereits im Mai stärker ausgefallen als von den Analysten erwartet. Eine wirkliche Entspannung sei auch in den nächsten Monaten nicht absehbar. Die jüngsten Lockdown-Maßnahmen nach den vorherigen Lockerungen in Shanghai würden zeigen, dass die Lieferkettenprobleme vorerst bestehen bleiben würden, zumal sich Staus mittlerweile auch an den Nordseehäfen bilden würden. Die Analysten der Helaba passen deswegen ihre Inflationsprognosen nochmals an: Für Deutschland rechnen sie jetzt mit 6,9% (6,3%) in diesem und 3,8% (3,3%) im nächsten Jahr. Für die Eurozone würden die Werte nun 6,9% (6,2%) und 3,4% (3,0%) betragen.

Das ifo-Geschäftsklima habe sich zuletzt überraschenderweise zweimal in Folge leicht verbessert. Trotz des Leids, das jeder Kriegstag verursache, trete eine gewisse Gewöhnung ein. Damit könnten sich die Erwartungen der vom ifo-Institut befragten Unternehmen sogar leicht verbessern. Trotzdem bleiben die Belastungen durch Lieferkettenprobleme und hohe Kosten, die nicht von allen Unternehmen vollständig überwälzt werden können, so die Analysten der Helaba. Die Lage dürfte sich etwas verschlechtern, so dass das gesamte Geschäftsklima kaum von der Stelle komme. Die deutschen Einkaufsmanagerindices seien noch deutlich über der 50er-Marke und würden damit anhaltendes Wachstum signalisieren. Hier müsse mit einem leichten Rückgang auf Werte über 54 gerechnet werden. (17.06.2022/alc/a/a)




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