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Europäische Staatsanleihen: Interessanter historischer Vergleich


17.06.22 10:38
Bankhaus Carl Spängler & Co

Salzburg (www.anleihencheck.de) - Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management vom Bankhaus Carl Spängler & Co., wirft einen Blick auf die zuletzt veröffentlichten Inflationszahlen, die aktuellen Arbeitsmarktzahlen sowie die Entwicklungen an den Anleihenmärkten.

Zudem ordne Markus Dürnberger das Geschehen an den Aktienmärkten ein und befasse sich mit dem Ölmarkt und seinem Einfluss auf die Inflation und die Konjunktur.

Die globalen Wachstumserwartungen seien noch deutlicher reduziert worden. So lägen die Konsensschätzungen für Europa aktuell bei einem Wachstum von 2,6 Prozent. Zu Jahresbeginn sei noch ein Wachstum von 4,2 Prozent erwartet worden. Diese vorsichtigere Einschätzung treffe auch auf die USA zu: Die Prognosen für 2022 seien von zuvor 3,9 auf ebenfalls 2,6 Prozent zurückgenommen worden.

Um die Inflation in den Griff zu bekommen, seien noch tiefere Wachstumszahlen notwendig. Ob den Notenbanken mit den zu erwartenden Zinserhöhungen ein sogenanntes "Softlanding" gelinge oder sie eine Rezession verursachen würden, bleibe abzuwarten. Letzteres erscheine zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlicher. Die zuletzt veröffentlichten Inflationszahlen würden vor allem in Europa keine Beruhigung zeigen.

Vor allem in den USA mit einer Kerninflation von über 6 Prozent erzeuge der starke Arbeitsmarkt zusätzlichen Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter zu erhöhen. Werfe man allerdings einen Blick auf die Arbeitslosenraten in den G7 Ländern und ziehe einen historischen Vergleich, so sehe man, dass dies nicht nur ein US-Phänomen sei. In Deutschland betrug die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in den letzten 20 Jahren 6,4 Prozent, mit einem Höchstwert von rund 11 Prozent, und einem Tiefstand - wo wir uns aktuell befinden - von 3 Prozent, so die Analysten vom Bankhaus Carl Spängler & Co. Sowohl Frankreich, als auch Kanada, Japan und Großbritannien würden historisch tiefe Arbeitslosenraten aufweisen und die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale erhöhen.

Die Entwicklung in den ersten fünf Monaten zeige, dass die Zinsen in allen Laufzeiten angestiegen seien. Europäische Staatsanleihen im 3- bis 5-jährigen Laufzeitensegment würden eine negative Entwicklung von 4,9 Prozent aufweisen, jene im mittleren 5- bis 7-jährigen Segment von 7,6 Prozent. Eine aktienähnliche Entwicklung könne man beim Gesamtmarkt mit Laufzeiten länger als ein Jahr beobachten: Eine Entwicklung von -10,6 Prozent in den ersten fünf Monaten könne als historisch bezeichnet werden.

Man müsse sehr tief in die Vergangenheit zurückblicken, um eine ähnliche Marktbewegung zu finden: Erst das Jahr 1994 habe nahezu idente Zinsanstiege im 10-jährigen Laufzeitensegment verzeichnet. Folge der aktuelle Marktzyklus dem Verlauf von 1994, so sei über die Sommermonate mit einer Entspannung und im Herbst mit weiteren Zinsanstiegen zu rechnen.

Für das schwierige Umfeld hätten sich vor allem die Märkte in Europa und den USA relativ stabil gehalten, die US-Entwicklung sei durch einen festeren US-Dollar abgefedert worden. Die wichtigsten Vergleichsindices lägen mit rund 10 Prozent in den ersten fünf Monaten im Euro gerechnet im Minus. Wiederum zu den Underperformern zähle der chinesische Aktienmarkt, der nunmehr verstärkt mit Konjunktursorgen zu kämpfen habe. Die Bewertungen der etablierten Märkte seien wieder auf attraktivere Niveaus zurückgekehrt.

Die "OPEC+" setze sich aus den dreizehn OPEC-Staaten sowie Russland, Kasachstan, Mexiko und Oman zusammen. Deren täglichen Fördermengen lägen noch immer unter den Fördermengen in den Jahren vor der Coronakrise. Somit sei nicht nur der Ukraine-Konflikt und die damit verbundenen Sanktionen gegen Russland für den hohen Ölpreis verantwortlich, sondern auch die immer noch zu tiefen Fördermengen.

Unsere Strategien weisen derzeit weiter eine Aktien-Untergewichtung auf; regional betrachtet, liegt unser Fokus weiterhin auf den etablierten Märkten, wobei wir die USA gegenüber Europa übergewichten, so die Analysten vom Bankhaus Carl Spängler & Co. Im Anleihebereich würden die Analysten vom Bankhaus Carl Spängler & Co auf eine deutlich verkürzte Laufzeitenstruktur sowie nun etwas weniger auf inflationsgeschützte Anleihen setzen. Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen würden reduziert beigemischt bleiben. (Ausgabe vom 15.06.2022) (17.06.2022/alc/a/a)