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Europäische Hochzinsanleihen: Refinanzierungsrisiken erscheinen beherrschbarer


12.02.24 12:13
Columbia Threadneedle

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wir gehen davon aus, dass sich bei europäischen Emittenten von Hochzinsanleihen das Wachstum von Umsätzen und EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände) 2024 beschleunigen wird, so Tom Southon, Leiter High Yield Research EMEA bei Columbia Threadneedle Investments.

Insgesamt würden die Experten ein EBITDA-Wachstum von 6,7 Prozent für 2024 prognostizieren. Der Nettoverschuldungsgrad dürfte 2024 sinken. Der freie Cashflow und der Zinsdeckungsgrad dürften im gesamten Jahresverlauf robust bleiben. Für den Zinsdeckungsgrad würden die Experten wegen der höheren Finanzierungskosten allerdings mit einem Rückgang rechnen. Insgesamt würden sie für ihr Anlageuniversum einen Anstieg der durchschnittlichen Fremdkapitalkosten auf 4,9 Prozent im Jahr 2024 prognostizieren - 2022 hätten diese noch 3,8 Prozent betragen. Grund seien die deutlich höheren Zinsen, die Unternehmen für Refinanzierungen in Kauf nehmen müssten.

Zwar dürfte die Refinanzierungsaktivität einen Aufwärtsdruck auf die Finanzierungskosten ausüben. Dieses Risiko sei nicht zuletzt dank des jüngsten Renditerückgangs bei Kernanleihen allerdings auf ein Niveau gesunken, das die Experten für beherrschbar halten würden. Unter der Annahme, dass die Renditen von BB- und B-Anleihen einen Anstieg der Fremdkapitalkosten im Jahr 2024 um circa 100 Basispunkte reflektieren würden, ergebe sich immer noch ein relativ gesundes Verhältnis aus freiem Cashflow und Nettoverschuldung, das im mittleren einstelligen Bereich liege.

Doch was würden die Experten von den verschiedenen Sektoren erwarten? Sie würden davon ausgehen, dass die Grundstoff- und Automobilindustrie sowie das Gesundheitswesen eher schwächeln würden. An etlichen wichtigen Bau- und Verbraucherendmärkten habe sich die Nachfrage nach Grundstoffen im Laufe des Jahres 2023 weiter abgeschwächt. Die Folge seien ein anhaltender Lagerabbau und ein erheblicher Rückgang der Kapazitätsauslastung in den Sektoren Chemikalien und Baumaterialien gewesen. Die Experten würden eine anhaltend schwache Gewinnentwicklung bis Mitte 2024 erwarten.

In der Automobilindustrie dürften der Auftragsbestand und die Konsumnachfrage 2024 nachgeben. Das spiegele sich in einem Wachstum wider, das gegenüber 2023 zwar geringer, aber immer noch positiv ausfalle. Kostenrestrukturierungspläne und Rückflüsse, sinkende Rohstoffpreise und eine Normalisierung der Produktion dürften das EBITDA der Automobilzulieferer im Jahr 2024 stützen, was wiederum eine marginale Entschuldung ermöglichen dürfte.

Unsicherheit herrsche nach wie vor bezüglich der Ausgaben für Nicht-Basiskonsumgüter und der Kosten von Automobilfinanzierungen. Wenn die Zinsen im Jahr 2024 hoch bleiben würden, könnten sich die Prognosen als zu optimistisch erweisen. Die Dominanz hochwertiger BB-Titel, die gute Liquiditätsausstattung und der beachtliche Umfang vor 2023 abgeschlossener Refinanzierungen hätten die Finanzierungskosten in Grenzen gehalten.

Für den Gesundheitssektor hätten die Experten ihre Wachstumserwartungen insgesamt gesenkt. Grund hierfür sei die gesunkene Nachfrage in den Segmenten Tests und Laboratorien. Die Experten würden jedoch erwarten, dass der Sektor 2024 zu einer zweistelligen Wachstumsrate zurückkehre.

Anders stehe es um die Bereiche Technologie, Medien und Telekommunikation, Glücksspiel sowie Reisen und Freizeit. Die Experten würden für den TMT-Sektor weiterhin eine relativ stabile Gewinnentwicklung erwarten. Denn nach Einschätzung der Experten könne die Kosteninflation letztlich über relativ moderate Preissteigerungen weitergegeben werden - und diese würden derzeit praktisch im gesamten Sektor vorgenommen. Infolgedessen würden die Experten für das Jahr 2024 mit einer Margenerholung und einem entsprechenden EBITDA-Wachstum rechnen. Dies dürfte vor dem Hintergrund nahezu rekordhoher Investitionsausgaben zu einem sektorweiten Schuldenabbau im Jahr 2024 beitragen.

Der Glücksspiel-Sektor habe sich allen Sorgen um die Konsumnachfrage zum Trotz sehr widerstandsfähig gezeigt und dürfte 2024 weiterwachsen - wenn auch langsamer. Fusionen und Übernahmen würden sich nach wie vor positiv auf die Finanzzahlen auswirken. Die generell robusten freien Cashflows würden den Schuldenabbau unterstützen. Anleihen aus diesem Sektor hätten in der Regel längere Laufzeiten, doch vor Kurzem habe eine Emission auf eine hohe Nachfrage getroffen, sodass der beträchtliche Anstieg der Finanzierungskosten habe abgefedert werden können.

Auch der Sektor Reisen und Freizeit dürfte Anleger erfreuen. Fitnessstudios hätten sich nach der Pandemie deutlich erholt und ihr Netz ausgebaut. Infolgedessen seien die Mitgliederzahlen weiter gestiegen und die Weitergabe der Inflation habe für höhere Renditen pro Mitglied gesorgt. In den vergangenen Monaten habe der Subsektor die Erwartungen übertroffen und nichts deute auf eine Verschlechterung im Jahr 2024 hin. In der Reisebranche gebe die aufgestaute Nachfrage den Umsätzen und Gewinnen weiterhin Auftrieb. Unternehmen mit besonders langen Buchungszyklen, wie Kreuzfahrtanbieter, würden sich tendenziell sogar besser als 2023 entwickeln.

Obwohl ein großer Teil des Immobiliensektors von der Aussicht auf sinkende Zinsen profitiere, würden die Experten bei hoch verschuldeten Hochzinsemittenten vorsichtig bleiben. Der Nettoverschuldungsgrad sei nach wie vor sehr hoch - rund 25x bei einigen Unternehmen -, auch wenn er den Prognosen zufolge sinken solle. Zudem sei der Zinsdeckungsgrad mit prognostizierten 1,9x für 2024 weiterhin sehr niedrig. Die Unternehmen würden im Allgemeinen immer noch vom hohen Anteil festverzinster Kapitalstrukturen profitieren, in denen sich die Auswirkungen höherer Zinsen noch nicht widerspiegeln würden. Diese Strukturen wären größtenteils nicht haltbar, wenn sie heute refinanziert werden müssten. Positiver sei, dass die zugrunde liegenden Geschäfte über das gesamte Analyseuniversum hinweg im Allgemeinen solide bleiben dürften - mit niedrigen Leerstandsquoten und anhaltenden Mieterhöhungen auf vergleichbarer Basis. (12.02.2024/alc/a/a)