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Europäische Bankanleihen: Mit Zuversicht ins Jahr 2023


13.01.23 13:20
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vor einem Jahr haben wir unseren Bankenausblick für 2022 unter die Überschrift "Der Blick richtet sich aufs Zinsumfeld" gestellt, so die Analysten der Helaba.

Im Rückblick habe sich ihre Prognose bewahrheitet: Inflation und Zinserhöhungen der Notenbanken hätten sich 2022 als dominierende Faktoren innerhalb des Geschäftsumfeldes der Banken erwiesen - seit Mitte des Jahres seien die Zinsgewinne der Häuser rasant gestiegen, und die Branche habe ihrem Ruf, zu den Gewinnern steigender Zinsen zu gehören, voll gerecht werden können. Darüber hinaus hätten die Institute die in der Coronakrise gebildeten Vorsorgerückstellungen für Kreditrisiken wie von den Analysten erwartet weitgehend nicht in Anspruch nehmen müssen.

Darüber hinaus hätten sie nach den Ausschüttungssperren der Krisenmonate angehäuftes Überschusskapital zumindest teilweise in Form von Dividenden und/oder Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre zurückgegeben. Nicht erwartet hätten die Analysten zu Jahresbeginn hingegen den Krieg in der Ukraine, der der einsetzenden Inflation mit hohen Energiepreisen und gestörten Lieferketten einen weiteren Schub versetzt habe. Insgesamt sei die Bonität des Sektors stabil geblieben. Ähnlich wie schon in den beiden Jahren zuvor hätten die Häuser mit ihren Gewinnen im Jahresverlauf erfreulich positiv überraschen können.

Von den kletternden Zinsen beflügelte Zinsergebnisse dürften gemäß der Analysten-Einschätzung auch 2023 ein zentrales Thema für die Branche bleiben. Gemäß ihren Erwartungen sollte der Zinserhöhungszyklus im laufenden Jahr seinen Höhepunkt erreichen. Bei den Banken werde sich der Anstieg der Zinsüberschüsse folglich wohl fortsetzen. Zwar sei aufgrund der eingetrübten wirtschaftlichen Aussichten auch mit zunehmenden Kreditausfällen zu rechnen, allerdings könnten Private und Unternehmen vorerst auf hohe Spar- und Eigenkapitalpuffer zurückgreifen, und die Verschuldung der privaten Haushalte sei im Großen und Ganzen stabil geblieben.

Die Ausfälle sollten somit zumindest 2023 nochmals vergleichsweise moderat ausfallen - wenn auch die Risiken bei anhaltend hohen Preisen und Zinsen spätestens 2024 zunehmen würden. Nicht außer Acht zu lassen seien inflationsbedingt steigende Kosten. Die Analysten würden davon ausgehen, dass 2023 die positiven Effekte für die Ergebnisse der Häuser (insbesondere Zinserträge) erneut überwögen.

Insgesamt zeige sich der Sektor in guter Verfassung und sei daher auf krisenbedingte Belastungen vorbereitet. Vor allem große, am Kapitalmarkt aktive Banken würden noch immer über in der Coronakrise aufgebautes Überschusskapital und Management-Overlays bei der Kreditrisikovorsorge verfügen. Gegenüber der Situation zu Beginn der Finanzmarktkrise hätten sie rund doppelt so hohe Eigenkapitalquoten, während sie Problembereiche abgebaut - und somit Risiken zurückgeführt - sowie ihr Risikomanagement verbessert hätten. Das geänderte Zinsumfeld könnte nun auch wieder zu auskömmlichen Kernerträgen führen. Hinzu komme der in den letzten zehn Jahren mit den Regulierungsreformen etablierte institutionelle Rahmen zu Krisenprävention und -management, der Anleihegläubiger vor Ausfällen schütze.

Inhaber von erstrangig unbesicherten Bankanleihen könnten demnach zuversichtlich in das Jahr 2023 gehen, zumal die Papiere teils wieder attraktive Renditen aufweisen würden. Das Umfeld bleibe jedoch hoch volatil, die Analysten würden daher raten, auf Emittenten mit soliden Bonitätskennzahlen zu setzen sowie mittlere und kurze Laufzeiten zu präferieren. (13.01.2023/alc/a/a)