Euroland: Inflation auf dem Rückzug, Kernrate aber hartnäckig


01.02.24 15:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Inflation im Euroraum schwächt sich weiter leicht ab, so die Analysten der Nord LB.

Nach der von Eurostat veröffentlichten vorläufigen Schätzung für Januar sei die Teuerung, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex von 2,9% auf 2,8% Y/Y zurückgegangen. Die Kernrate, ohne Energie, Lebensmittel und Tabak, sei ebenfalls leicht von 3,4% auf 3,3% Y/Y gefallen. Erfreulich sei, dass die Preise gegenüber dem Vormonat wahrscheinlich um 0,4% (M/M) gesunken seien.

Zwar hätten einige Ökonomen offenbar mit einem etwas stärken Rückgang der Teuerung gerechnet, insgesamt würden die Zahlen aber eher keine Überraschung darstellen. Die Entwicklung sei einmal mehr getragen worden von den Kosten für Energie, die sich um 6,3% Y/Y verbilligt habe. Für Auftrieb hätten weiter die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak gesorgt, die sich um 5,7% Y/Y verteuert hätten, wobei es bei Tabakprodukten in einigen Ländern der Währungsunion Steuererhöhungen gegeben habe. Überdurchschnittlich teurer seien auch die Preise für Dienstleistungen geworden, die um 4,0% Y/Y gestiegen seien.

Die in den Tagen zuvor gemeldeten Schnellschätzungen aus den einzelnen Euro-Ländern hätten bereits angedeutet, dass es bestenfalls einen kleinen Rückgang bei der Inflation geben würde, wobei das Bild durchaus gemischt sei. Deutschland habe gestern einen relativ starken Rückgang gemeldet, fußend auf einem administrativ-künstlichen Anstieg im Dezember. In Frankreich seien die Preise im Januar mit 3,4% Y/Y deutlich weniger schnell als im Vormonat (4,1%) gestiegen. In Italien habe die Inflation wieder etwas angezogen, liege aber mit 0,9% Y/Y weit unter dem Euro-Durchschnitt. Hingegen habe sich die Teuerung in den Niederlanden sehr eindeutig beschleunigt, von 1,0% im Dezember auf nun 3,1% Y/Y.

Bei aller Unterschiedlichkeit sei in allen Ländern die aktuelle Disinflation auf die sinkenden Energiepreise zurückzuführen. Hier würden sich vor allem Basiseffekte bemerkbar machen, nachdem Energie vor Jahresfrist teurer geworden sei. In vielen Ländern seien außerdem Effekte aus administrativen Maßnahmen zu beobachten, die ergriffen worden seien, um die Haushalte von zu hohen Energiekosten abzuschirmen und die nun rückabgewickelt würden.

Zu erkennen sei aber auch, dass Dienstleistungen sowie Lebensmittel weiterhin überdurchschnittlich teurer würden, Bereiche, die auf die Entwicklung der Kernrate einzahlen würden. Insbesondere bei den Dienstleistungen scheine sich ein Teuerungsprozess festzusetzen; der Preisanstieg dort verharre nun schon im dritten Monat bei 4,0% Y/Y. Diese Inflation sei hausgemacht und beruhe auf einem engen Arbeitsmarkt und Lohnsteigerungen.

Die Situation stelle sich so wenig übersichtlich dar, vermutlich weniger übersichtlich, als es die EZB gerne hätte. Zu bedenken sei ferner, dass die Basiseffekte aus den Energiepreisen in den kommenden Monaten verschwindenden würden. Gleichzeitig dürfte der Zentralbank die Teuerung bei den Dienstleistungen nicht gefallen. Aus den heutigen Zahlen lasse sich also nicht ablesen, dass es zu vorzeitigen Zinssenkungen kommen werde.

Die Inflation im Euroraum schwäche sich weiter leicht ab. Nach der von Eurostat veröffentlichten vorläufigen Schätzung für Januar sei die Teuerung, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex von 2,9% auf 2,8% Y/Y zurückgegangen. Die Kernrate, ohne Energie, Lebensmittel und Tabak, sei ebenfalls leicht von 3,4% auf 3,3% Y/Y gefallen.

Insgesamt lägen die Zahlen heute im Bereich des Erwarteten. Dabei stelle sich Situation wenig übersichtlich dar, vermutlich weniger übersichtlich, als es die EZB gerne hätte. Zu bedenken sei ferner, dass die Basiseffekte aus den Energiepreisen in den kommenden Monaten verschwinden würden. Gleichzeitig dürfte der Zentralbank die Teuerung bei den Dienstleistungen nicht gefallen. Aus den heutigen Zahlen lasse sich also nicht ablesen, dass es zu vorzeitigen Zinssenkungen kommen werde. (01.02.2024/alc/a/a)