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Ergebnisse der Berichtssaison dürften Einfluss auf weitere Zinspolitik der FED haben


02.08.22 10:15
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Berichtssaison ist in vollem Gange, und die Marktteilnehmer erwarten mit Spannung die Ergebnisse des zweiten Quartals, die Auskunft darüber geben sollten, wie gut es den US-amerikanischen Unternehmen geht, so David Norris, Head of US Credit bei TwentyFour Asset Management, Tochtergesellschaft von Vontobel Asset Management.

Ein erhöhter Inflationsdruck habe sich möglicherweise auf die Ergebnisse vieler Unternehmen ausgewirkt. Außerdem dürften sich geringere Umsätze und Gewinnspannen sowie höhere Arbeitskosten ebenfalls bei den Ergebnissen des zweiten Quartals bemerkbar gemacht haben und die Prognosen beeinflussen, da man auf eine Wirtschaft zusteuere, die Anzeichen einer Verlangsamung aufweise.

Bislang hätten nur etwas mehr als 51 Prozent der Unternehmen im S&P 500 ihre Ergebnisse vorgelegt, und 64 Prozent davon hätten einen über den Erwartungen liegenden Ertrag erzielt. In Anbetracht des derzeitigen wirtschaftlichen Umfelds klinge dies auf den ersten Blick nach einem guten Ergebnis, da sie nur leicht unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 69 Prozent lägen. Zusammengenommen würden die Unternehmen über Erträge berichten, die 1,3 Prozent über den Schätzungen lägen, nach den Daten des Datendienstleisters FactSet sei das etwas weniger als der Fünfjahresdurchschnitt von 1,8 Prozent.

Die Berichtssaison in den USA habe gut begonnen, da die großen US-Banken aufgrund des anhaltend soliden Wachstums der Verbraucherausgaben, des stetigen Kreditwachstums und der Verbesserung der Nettozinsmargen infolge der Zinserhöhung durch die FED im Allgemeinen gute Ergebnisse melden würden. Allerdings habe es natürlich auch einige Warnhinweise gegeben, etwa bei Telekom-Unternehmen, wo einige Marktführer wie AT&T und Verizon für Schlagzeilen gesorgt hätten. AT&T habe beispielsweise gewarnt, dass immer mehr seiner Kunden mit ihren Rechnungen in Verzug geraten würden, während Verizon sich ebenfalls von dieser Entwicklung beunruhigt gezeigt und erklärt habe, dass die höheren Preise das Abonnentenwachstum beeinträchtigen würden.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Indikator, den es neben den veröffentlichten Finanzergebnissen im Blick zu behalten gelte, seien Vorhaben für eine Reduzierung des Stellenbedarfs in vielen Unternehmen. So habe der Automobilhersteller Ford vor kurzem angekündigt, 8.000 Stellen in der Abteilung für Verbrennungsmotoren streichen und freiwerdende Mittel für weitere Investitionen in den Ausbau von Elektrofahrzeugen verwenden zu wollen. Google habe einen Einstellungsstopp verhängt, um den Personalbedarf zu überprüfen und in den nächsten drei Monaten die Personalanforderungen anzupassen.

Apple plane seinerseits eine Verlangsamung der Anzahl an Neueinstellungen und des Ausgabenzuwachses im Jahr 2023. Und mit Microsoft habe ein weiteres Unternehmen die Entscheidung getroffen, bei der Einstellung von Personal auf die Bremse zu treten. Anfang dieses Jahres habe auch Tesla Pläne angekündigt, die Zahl seiner Angestellten um 10 Prozent zu reduzieren. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Im Großen und Ganzen habe der Markt aber recht positiv auf die bisher veröffentlichten Ergebnisse reagiert und der ICE US High Yield Index, der die Wertentwicklung von auf US-Dollar lautenden Anleihen unterhalb der Investment-Grade-Kategorie abbilde, habe sich in den vergangenen Wochen deutlich verbessert.

Allerdings liege der Teufel bekanntlich im Detail, und in der aktuellen Berichtssaison werde man sich nicht nur auf die Geschäftsergebnisse, sondern auch auf die künftige Prognose konzentrieren müssen. Sollten die Ergebnisse und der Ausblick zeigen, dass die Wirtschaft immer noch Anzeichen von Stärke und gesunden Erträgen biete, könnte die FED-Politik tatsächlich noch auf gutem Kurs sein, um ihr erwartetes Ziel von 3,375 Prozent bis Ende 2022 zu erreichen. Sollten sich die Erträge jedoch als zu niedrig erweisen und der Arbeitsmarktdruck nachlassen und die Arbeitslosenzahlen dementsprechend steigen, wäre dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zu dem von der FED angestrebten Ziel einer Konjunkturabschwächung. Das zweite Szenario könnte ein gewisses Argument dafür liefern, dass die FED-Politik ein langsameres Tempo der Zinserhöhungen notwendig machen würde, wenn sie die gewünschte Wirkung auf die Inflation haben solle.

Die Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen hätten in der Tat einige weitere Signale dafür geliefert, dass die FED-Politik die gewünschte Wirkung zeige: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung seien so hoch gewesen wie schon lange nicht mehr, die US-PMIs seien weiter geschrumpft, und der Philly FED-Geschäftsausblick habe deutlich abgenommen.

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass die FED, während sie zu Beginn des Jahres zur Unterstützung eines starken Arbeitsmarktes eine höhere Inflation toleriert habe und dabei hinter die Erwartungen zurückzufallen schien, nun offenbar eine höhere Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen werde, um die Inflation wirkungsvoll zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang sollte die aktuelle Berichtssaison dazu beitragen, die Rahmenbedingungen festzulegen und uns hoffentlich einen Einblick in die Gesundheit der Unternehmen im nächsten Quartal sowie für den Rest des Jahres zu geben.

Sollte man weiterhin Anzeichen für einen wirtschaftlichen Abschwung sehen, sei zu erwarten, dass sich der Leitzins auf einem Niveau unterhalb der aktuellen Prognosen einpendeln und die derzeitige Volatilität an den Zinsmärkten etwas reduziert werde. Sollten man andererseits weiterhin sehen, dass sich die Widerstandsfähigkeit der Verbraucher positiv auf die Unternehmensgewinne auswirke, sei zu erwarten, dass dies als einer der Faktoren angesehen werde, der dazu beitrage, die FED-Politik auf ihrem derzeitigen Kurs zu halten. (02.08.2022/alc/a/a)