Entwicklung der Kapitalmärkte: Konjunkturerwartungen niedrig, EZB setzt Kampf gegen Inflation fort


14.09.22 12:31
Bankhaus Carl Spängler & Co

Salzburg (www.anleihencheck.de) - Die Konjunkturerwartungen für Europa haben sich weiter eingetrübt, so Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Salzburger Bankhaus Spängler.

Dies zeige sich auch an dem von der EU regelmäßig erhobenen Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung, wobei die Stimmung in Österreich sogar unter dem EU-Durchschnitt liege. Ein detaillierter Blick nach Deutschland zeige: "Die Wahrscheinlichkeit für eine expansive Entwicklung der Wirtschaft liegt laut ifo-Konjunkturampel im August bei nur 8,1 Prozent. Die Wirtschaftsleistung in unserem wichtigen Nachbarland dürfte demnach im dritten Quartal schrumpfen", so Dürnberger.

Leider seien auch an der Inflationsfront aktuell keine ausgeprägten Entlastungsanzeichen erkennbar. "Die wesentlichen Themenkreise, die die Inflation anheizen, sind nach wie vor die gleichen", sage Dürnberger. "Wir sehen zum einen eine überhöhte Güternachfrage in den USA, die zu einem globalen Anstieg der Güterpreise und Engpässen in den Lieferketten samt hohen Transportkosten geführt haben. Zum anderen halten die Energiepreise die Inflation hoch." Diese würden Europa übrigens noch stärker als die USA treffen, da dort die Folgen der Energiekrise wegen der zuletzt gesunkenen Erdöl- und Benzinpreise weniger stark ausgeprägt seien.

EZB: In Frankfurt würden die Falken nunmehr den Ton angeben: Die Notenbank habe mit ihrem historischen Zinsschritt von 75 Basispunkten ein Zeichen gesetzt. Eine Zinsanhebung in diesem Ausmaß, die sich über alle drei Leitzinsinstrumente erstrecke, habe es bislang von der EZB noch nie gegeben. Dürnberger: "Damit wird auch deutlich, dass die EZB ihren Kampf gegen die Inflation fortsetzt und die Falken nunmehr den Ton in Frankfurt angeben. Aus heutiger Sicht dürften in den kommenden Sitzungen weitere Zinsschritte anstehen, wenngleich nicht unbedingt im selben Ausmaß wie im September."

Wie habe sich nun der Aktienmarkt in diesem Umfeld gehalten? "Wir sind der Meinung: relativ gut", so der Asset Manager im Bankhaus Spängler. "Allerdings profitiert der europäische Investor vom steigenden US-Dollar zum Euro, der um rund elf Prozent zulegen konnte und die Verluste am US-Markt somit in Grenzen hält. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten in Europa zählt der alte Kontinent jedoch insgesamt zu den Verlierern der großen Volkswirtschaften. China konnte sich relativ zu den anderen Märkten hingegen stabilisieren."

Wie positioniere sich das Spängler Asset Management derzeit? "Wir bleiben angesichts der Energiethematik, der Inflationsentwicklung und der anhaltenden Rezessionsgefahr auch im September bei einer Aktien-Untergewichtung in unseren Strategien", sage Dürnberger. "Regional betrachtet, liegt unser relativer Fokus auf den USA gegenüber Europa. Zudem mischen wir den pazifischen Raum und Japan währungsgesichert bei. Im Anleihebereich setzen wir auf eine verkürzte Laufzeitenstruktur, um das Zinsänderungsrisiko weiterhin zu begrenzen." (14.09.2022/alc/a/a)