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EZB wird auf die Risiken der Peripherie achten


10.06.22 09:02
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet wird die EZB die Zinssätze in diesem Jahr wieder in den positiven Bereich bringen, so Lale Akoner, Global Capital Markets Strategist bei BNY Mellon Investment Management.

Nach acht Jahren negativer Zinsen und QE beende die EZB damit eine Ära. Sie habe angekündigt, die Zinsen im Juli um 25 Basispunkte anzuheben und im September möglicherweise um 50 weitere Basispunkte zu erhöhen.

Die wichtigste Frage im Euroraum laute: Was werde die EZB tun, um steigende Renditen in der Euro-Peripherie einzudämmen, wenn sich die finanziellen Bedingungen verschärfen würden? Die Reaktion dieser Anleihen erschwere die geldpolitische Aufgabe der EZB. Die Experten würden aber glauben, dass sie auf die Risiken der Peripherie achten werde. Bemerkenswerterweise seien bei der Entscheidung keine Einzelheiten darüber genannt worden, wie die EZB mit einer Spaltung Europas in diesem Kontext umgehen würde. Als Konsequenz seien die Spreads der Peripherieländer auf ein Zweijahreshoch gestiegen. Der Markt habe eine mögliche fiskalische Unterstützung somit als "taubenhaft" interpretiert - also als womöglich lockere geldpolitische Aussichten, um eine Fragmentierung des Euroraums zu bekämpfen.

Der US-Einkaufsmanagerindex - ohne Einzelhandel - habe zuletzt auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum schließen lassen. In Deutschland weise der aktuelle Geschäftsklimaindex ebenfalls auf Optimismus hin und liege höher als während der Euro-Staatsschuldenkrise. Das werde die EZB bei ihrer Zinserhöhung im Juli trösten. Dennoch werde die Notenbank wohl weiterhin von den Daten abhängig sein, um beurteilen zu können, ob sie mit einer straffen Geldpolitik eine Rezession und einen drastischen Rückgang der Nachfrage riskiere.

An den Märkten würden die Experten einen Anstieg der Anleiherenditen und eine Verflachung der Kurven erwarten. Zudem würden sie davon ausgehen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar schwach bleiben werde. Die EZB hinke der FED immer noch hinterher, und im Vergleich zur US-Wirtschaft sei das Risiko einer Stagflation im Euroraum höher. (Ausgabe vom 09.06.2022) (10.06.2022/alc/a/a)