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EZB läutet zur Zinswende: Nicht ein Schritt, sondern eine Reise


09.06.22 15:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Ende der Nettoankäufe im Rahmen des APP ist in drei Wochen besiegelt, so die Analysten der Nord LB.

Dann werde das Eurosystem nach aktueller Entscheidungslage sowohl im Kontext des PEPP als auch im Rahmen des APP nur noch durch Reinvestitionen am Markt aktiv werden. Diese Wiederanlage erfolge für das pandemische Ankaufprogramm noch mindestens bis Ende 2024. Für das APP lege sich der EZB-Rat erneut nicht fest. Wenig überraschend bleibe das heutige Statement zur Zinsentscheidung ohnehin gut gefüllt mit Verweisen darauf, dass insbesondere unter Stressbedingungen die Flexibilität der Notenbank ein wesentliches Element der eigenen Geldpolitik bleiben werde. Diese salvatorische Klausel sei nach Verständnis der Analysten auch auf den skizzierten Einstieg in die Phase der Zinserhöhungen anwendbar.

Da passe es auch ins Bild, dass im EZB-Statement für die kürzere Sicht der erste Zinsschritt einer längeren Reise konkret vorformuliert werde und für die Septembersitzung das Ausmaß an den weiteren Inflationspfad bzw. diesen Ausblick geknüpft werde. Dass hier genau wie bei den Erwartungen in Bezug auf die Wirtschaftsaktivität die Unsicherheit hoch bleibe, würden einmal mehr die umfangreichen Anpassungen demonstrieren, welche an den EZB-Projektionen offenkundig hätten vorgenommen werden müssen. Über den September hinaus würden die EZB-Entscheidungsträger die Finanzmarktteilnehmer sodann auch lediglich auf einen "allmählichen, aber nachhaltigen" Zinserhöhungspfad einschwören. Dass im Juli alle drei Zinssätze angehoben würden, sei sicherlich die größte Überraschung des Tages. (09.06.2022/alc/a/a)