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EZB kündigt für Juli Zinserhöhung an


13.06.22 09:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer Sitzung am Donnerstag wie erwartet für Juli eine erste Zinserhöhung angekündigt, so die Experten von Union Investment.

Mit der Anhebung um 0,25 Prozentpunkte werde damit nach elf Jahren die Zinswende eingeläutet. Weitere Anhebungen, voraussichtlich ab September, dürften angesichts der aktuellen Inflationsentwicklung folgen. Über deren Höhe werde rege diskutiert, stünden derzeit auch größere Einzelschritte von 0,5 Prozentpunkten zur Debatte. Darüber hinaus werde das Anleiheankaufprogramm Ende Juni auslaufen, die EZB werde danach nur noch fällige Wertpapiere reinvestieren.

Die Finanzmärkte hätten sich im Vorfeld der Notenbanksitzung zunächst abwartend verhalten. Im Verlauf des Donnerstags seien dann die Aktienmärkte nach der EZB-Entscheidung ins Minus gedreht. Auch an den Anleihemärkten hätten Kursverluste das Geschehen geprägt, die Renditen seien weiter angestiegen.

Die US-Inflation sei weiter auf dem Vormarsch. Die Verbraucherpreise in den USA seien im Mai gegenüber Vorjahr um 8,6 Prozent angestiegen und hätten damit über den Erwartungen (8,3 Prozent) gelegen. Der Anstieg gegenüber dem Vormonat habe bei 1,0 Prozent ebenfalls über den Schätzungen (0,7 Prozent) gelegen. Dies dürfte die US-Notenbank hinsichtlich ihrer restriktiven Geldpolitik bestätigen.

Die EZB habe am Donnerstag die von ihr vorab klar signalisierten Beschlüsse bestätigt. Der Beendigung des Anleiheankaufprogramms per Ende Juni werde dann im Juli eine erste Zinserhöhung um 25 Basispunkte folgen. Im September dürfte, wenn sich der mittelfristige Inflationsausblick nicht verbessern sollte, ein weiterer Zinsschritt um dann 50 Basispunkte folgen. Damit leite die EZB den erst dritten wesentlichen Zinserhöhungszyklus seit 1999 ein. Die Gründe für diese Schritte zu einer Normalisierung der geldpolitischen Ausrichtung seien die aktuell sehr hohen Inflationsraten und auch die immer noch zu hohen Inflationserwartungen. Zudem liege die nunmehr von der EZB prognostizierte Inflation im gesamten Prognosehorizont 2022/2023 und 2024 über der Zwei-Prozentmarke, was nun einen Zinsschritt aus Sicht der EZB rechtfertige. Lediglich die zeitliche Abfolge, wonach ein erster Zinsschritt erst nach Beendigung der Anleihekäufe erfolge (Sequenzierung), habe am Donnerstag eine erste Anhebung verhindert.

Darüber hinaus sei nach dem EZB-Treffen zu erkennen gewesen, dass größere und häufigere Zinsschritte im laufenden und auch im kommenden Jahr immer wahrscheinlicher würden. Auch über den September hinaus seien Anhebungen um 50 Basispunkte durchaus nicht unrealistisch. Unser Basisszenario liegt derzeit bei einer Erhöhung um einen Prozentpunkt im laufenden Jahr und weiteren 0,5 Prozentpunkten im kommenden Jahr, so die Experten von Union Investment.

Zum dritten Mal in Folge würden deutsche Industrieunternehmen rückläufige Auftragseingänge verzeichnen. Im April seien die Orders im Vergleich zum Vormonat um 2,7 Prozent gefallen. Die Lage sei weiter vom Krieg in der Ukraine und der schwächeren Nachfrage aus China geprägt. Die rückläufigen Auslandsbestellungen seien vor allem durch den Rückgang aus den Ländern des Euroraums (minus 5,6 Prozent) geprägt gewesen. Die Auslandsnachfrage sei letztlich um vier Prozent zurückgegangen. Der Auftragsrückgang aus dem Inland sei mit minus 0,9 Prozent deutlich geringer ausgefallen. Allerdings seien die Auftragsbücher der Unternehmen derzeit gut gefüllt. Problematisch sei hingegen die anhaltende Störung der Lieferketten, mit der eine zurückhaltende Ordertätigkeit bei den Vorprodukten einhergehe.

Die deutsche Industrieproduktion habe im April mit plus 0,7 Prozent etwas zugenommen, sei aber unter den Erwartungen der Analysten geblieben. Das leichte Plus sei in erster Linie auf die Energieerzeugung zurückzuführen gewesen.

Die chinesischen Außenhandelsdaten für den Mai hätten sich überraschend gut gezeigt. Die Exporte hätten gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 17 Prozent zugelegt und damit deutlich über den Bloomberg-Erwartungen (8,0 Prozent) gelegen. Vor allem habe die Ausfuhr von Stahlprodukten hierzu beigetragen. Die Importe hätten mit plus 4,1 Prozent ebenfalls über den Erwartungen der Analysten gelegen. Somit habe es nach den sich belebenden Einkaufmanagern weitere gute Nachrichten aus China gegeben. Allerdings würden immer wieder Berichte über Corona-Ausbrüche (zuletzt Stadtteile von Shanghai betreffend) mit den damit verbundenen Massentests für Verunsicherung sorgen. Nach der Aufhebung des jüngsten Lockdowns habe sich die Lage wieder entspannt. (Ausgabe vom 10.06.2022) (13.06.2022/alc/a/a)