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EZB: Zinsfantasie ebbt etwas ab


12.02.24 11:27
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zinssenkungserwartungen haben einen Dämpfer erhalten, so die Analysten der Helaba.

An den Kapitalmärkten sei es zu deutlichen Kursverlusten gekommen. Die Inflationsentwicklung sollte aber Rückhalt geben.

An den Terminmärkten seien die Zinssätze zuletzt nicht weiter gesunken. Der Dreimonatssatz auf Sicht von zwölf Monaten liege inzwischen rund einen Viertelprozentpunkt höher als zu Jahresbeginn. Auch das US-Pendant sei zuletzt nach oben gedreht. Diese Entwicklung sei mit starken Konjunkturdaten vor allem vom US-Arbeitsmarkt und US-Dienstleistungssektor einhergegangen. Es überrasche daher nicht, dass Notenbankchef Jerome Powell auf die Erwartungsbremse hinsichtlich schneller und kräftiger Zinssenkungen getreten sei.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die kurzzeitig unter die 2%-Marke gerutscht sei, habe zuletzt über 2,3% notiert. Zehnjährige US-Staatsanleihen hätten wieder spürbar über der 4%-Marke gelegen. Mit einem weiteren Anstieg sei gleichwohl nicht zu rechnen. Dafür seien unter anderem die Inflationserwartungen diesseits und jenseits des Atlantiks zu entspannt.

Vonseiten der EZB habe es keine neuen Hinweise gegeben, die Zweifel an der ersten Zinssenkung im zweiten Quartal - voraussichtlich im Juni - würden aufkommen lassen. Selbst geldpolitische Falken wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel hätten zuletzt Entwarnung bei der Inflation gegeben und würden das 2-Prozent-Ziel der EZB bis 2025 für erreichbar halten. Die jüngste Entwicklung der Inflationsrate in der Eurozone gebe durchaus Anlass zu Optimismus. In den letzten sechs Monaten sei der Gesamtindex der Verbraucherpreise kaum noch gestiegen. Auch die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel habe stagniert.

Rechne man diese Werte auf ein Jahr hoch, so würden sich Raten um null Prozent ergeben. Das sei die sprichwörtliche Beruhigung nach dem Sturm. In den letzten drei Jahren hätten die Preise insgesamt um etwa 18% zugelegt. Das sei etwa der gleiche Preisanstieg gewesen wie in den 13 Jahren davor. Noch extremer sei der Zuwachs seit 2021 bei den Baukosten für Wohngebäude gewesen. Sie hätten in Deutschland um rund 40% zugelegt. Aber auch hier habe sich die Preisentwicklung abgeflacht. In den letzten sechs Monaten sei der Index nur noch um 0,7% gestiegen.

Sei damit der Weg frei für Zinssenkungen? Grundsätzlich ja, aber eben nicht so schnell. Nach dem Reputationsverlust durch das zu späte Reagieren auf den Inflationsanstieg müsse die EZB nun sorgfältig Chancen und Risiken abwägen. Das Motto der Falken dürfte daher lauten: Im Zweifel lieber etwas später, auch auf die Gefahr hin, dass die Konjunktur nicht nur in Deutschland in schwierigem Fahrwasser bleibe. Die Märzsitzung des EZB-Rats komme da wohl noch etwas zu früh. (Ausgabe vom 09.02.2024) (12.02.2024/alc/a/a)