EZB-Zinserhöhung: Reicht das aus, um die Inflation einzudämmen?


08.09.22 17:00
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Da ihre Glaubwürdigkeit als Hüterin der Preisstabilität in Europa auf dem Spiel steht, hat sich die EZB heute für die größte Zinserhöhung ihrer Geschichte entschieden, so Wolfgang Bauer, Fondsmanager im Public Fixed Income Team bei M&G Investments.

Ob der Schritt von 0,75% eine spürbare Auswirkung auf die Inflation in den kommenden Monaten haben werde, sei jedoch fraglich. Steigende Energie- und andere Rohstoffpreise würden sich schleichend auf die Kerninflation auswirken, da höhere Einkaufs- und Herstellungspreise die Unternehmen dazu zwingen würden, die Kosten - zumindest teilweise - an ihre Kunden weiterzugeben. Diese kostentreibende Inflation, die zu einem großen Teil durch Angebotsschocks verursacht werde, sei mit geldpolitischen Instrumenten nur schwer zu bekämpfen. Um es ganz offen zu sagen: Selbst die ehrgeizigste Zinserhöhung der EZB werde die Wiedereröffnung von Nord Stream 1 nicht ermöglichen. Eine Energiepreisobergrenze, wie sie derzeit in Großbritannien diskutiert werde, wäre unter diesen besonderen Umständen wohl das wirksamere politische Instrument. (08.09.2022/alc/a/a)