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EZB-Zinsentscheid: Wenig überraschend und definitiv notwendig


08.09.22 17:33
SALytic Invest

Köln (www.anleihencheck.de) - Die heutige Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen um 75 Basispunkte anzuheben, war gut vorbereitet und damit für die Märkte wenig überraschend, so Matthias Jörss, Chefvolkswirt bei der SALytic Invest AG.

Die EZB habe auch kaum eine andere Wahl. Wichtig sei, dass die Notenbank auch weitere kräftige Zinsanhebungen für die kommenden Monate signalisiere. Jörss rechne mit einem Einlagensatz von 1,75 Prozent zum Jahresende. Dies werde zwar keinen schnell senkenden Effekt auf die Inflation haben, zeige jedoch - wenn auch viel zu spät - dass man Zweitrundeneffekte bekämpfen wolle, obwohl sich eine Rezession im Euroraum klar abzeichne. Jörss sei geneigt zu sagen "Wer zu spät kommt den bestraft das Leben", denn je später eine Notenbank gegen Inflationsrisiken vorgehe, desto tiefer werde die Rezession. In diesem Fall habe die EZB sicher auch zusätzliches Pech gehabt, da der Ukraine-Krieg zu dramatisch steigenden Rohstoffpreisen geführt habe, was die Inflation noch einmal zusätzlich befeuert habe. Jedoch sei das viel zu lange Festhalten am Commitment, die Zinsen so lange niedrig zu halten wie es die Inflationsprognose für die kommenden Jahre erlaube, ein schwerer Fehler gewesen. Die Prognosefehler dürften auch dazu geführt haben, dass diejenigen, die diese Politik propagiert hätten, innerhalb der EZB an Bedeutung verloren hätten. Damit müssten die Kapitalmärkte jedoch auch mit nochmals deutlich höheren Zinsen und einer größeren Unsicherheit leben, was sich negativ auf die Attraktivität von Aktien und Renten auswirke. (08.09.2022/alc/a/a)