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EZB-Sitzung Oktober: Zeit für kurz- bis mittelfristige Anleihen


02.11.22 11:01
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem unabhängigen US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman, kommentiert die Aussagen und Entscheidungen der letzten EZB-Sitzung.

In ihrer letzten Sitzung habe die EZB ihre Leitzinsen wie erwartet um 75 Basispunkte angehoben, den Markt jedoch mit der Wiedereinführung von Wirtschaftswachstums-Kriterien für ihre kommenden Entscheidungen überrascht. Sie habe erklärt, dass sich die Aktivität bereits im dritten Quartal deutlich verlangsamt habe und sich im vierten Quartal dieses Jahres und im ersten Quartal 2023 noch weiter verlangsamen dürfte. Das sei insofern wichtig, als dass es zeige, dass das Ziel der EZB, die Nachfrage zu dämpfen, voranschreite und die Arbeitslosenquote ansteigen dürfte. Der einzige verbleibende Grund für die EZB, die Zinsen auch in Zukunft weiter zu erhöhen, wäre also, dass der Höhepunkt der Inflation noch nicht erreicht sei.

Der Rückgang der Energiepreise lasse den Markt erwarten, dass der Höhepunkt der Inflation bald erreicht sein werde. Daher habe der Markt Donnerstagnachmittag seine Endzinsprognose auf 2,5 Prozent gesenkt, während sie zuvor bei 2,75 bis 3,25 Prozent gelegen habe. Das deute auf eine Outperformance von kurz- bis mittelfristigen Anleihen hin.

Die EZB-Analyse verstärke die Attraktivität der Euro-Anleihen, insbesondere der kurz- und mittelfristigen Anleihen und vor allem derjenigen, die von privaten Emittenten begeben würden: Während der Rezession im nächsten Jahr könne man eine Pause in der EZB-Leitzinssteigerungspolitik erwarten. Die zukünftig teureren gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte dürften dazu führen, dass die Geschäftsbanken das in den vergangenen Jahren geliehene Geld früher zurückzahlen würden, ohne dass dies den kurz- oder mittelfristigen Anleihemarkt wesentlich beeinträchtige. (02.11.2022/alc/a/a)