EZB: "Je länger die hohe Inflation unbeantwortet bleibt, desto schwieriger wird die geldpolitische Kehrtwende"


08.06.22 16:45
Lazard Asset Management

Delaware (www.anleihencheck.de) - Die allgemeine Markterwartung ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni die (Netto-)Anleihekäufe beenden und die erste Leitzinserhöhung seit März 2016 erst für Juli 2022 signalisieren wird, so Michael Weidner, Head of European Fixed Income bei Lazard Asset Management Deutschland.

Dies erscheine den Experten angesichts der jüngsten Äußerungen einiger EZB-Ratsmitglieder ein realistisches Szenario. Allerdings wäre in Anbetracht einer Inflationsentwicklung, die seit vielen Monaten deutlich über allen Erwartungen liege, nach Meinung der Experten eine erste Zinserhöhung bereits im Juni angemessen. Diese würde das Risiko senken, zu einem späteren Zeitpunkt ggf. einen größeren Zinsschritt von 0,5% vollziehen zu müssen.

Je länger die aktuell hohe Inflation andauere und geldpolitisch unbeantwortet bleibe, desto schwieriger werde es für die EZB, die notwendige geldpolitische Kehrtwende durch Zinserhöhungen umzusetzen und als nahezu letzte große Zentralbank von negativen Zinsen abzurücken. (Ausgabe vom 07.06.2022) (08.06.2022/alc/a/a)