EZB: Inflationsdruck zwingt zum geldpolitischen Kurswechsel


10.06.22 10:05
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der gestrigen Sitzung schaltete die Europäische Zentralbank zwei Gänge höher und attackiert damit die unerwünscht hohe Inflation nun mit einer, für europäische Verhältnisse, scharfen geldpolitischen Straffung, so Reto Cueni, Chief Economist bei Vontobel.

Nachdem die Zentralbank genau elf Jahre lang ihre Leitzinsen nicht mehr angehoben habe, habe sie nun in ihrer nächsten Sitzung Mitte Juli eine erste Zinserhöhung von 25 Basispunkten angekündigt. Zugleich habe sie sogar eine doppelte Erhöhung (50 Basispunkte) in ihrer Septembersitzung in Aussicht gestellt, wenn sich die mittelfristigen Inflationsprognosen der Bank nicht verringern würden. Da wir keine substanzielle Entspannung der mittelfristigen Prognosen für die Energie- und Nahrungsmittelpreise bis Anfang September erwarten, prognostizieren wir folglich einen doppelten EZB-Zinsschritt im September, so die Experten von Vontobel Asset Management.

Danach dürfte die EZB allerdings vorsichtiger werden, da sich das Wachstum in der Eurozone gegen und vor allem in 2023 wohl abschwächen und die Inflation sich zurückziehen dürfte - es sei denn, weitere Schocks würden die Energie- und Nahrungsmittelpreise oder die Probleme globaler Lieferketten erneut verschärfen. So würden die Experten von Vontobel Asset Management erwarten, dass die EZB danach in der Oktober- und Dezembersitzung wieder auf normale Zinsschritte umsteigen und die Leitzinsen insgesamt im laufenden Jahr um nicht mehr als 125 Basispunkte erhöhen werde. Demgegenüber hätten die Märkte bis vor dem EZB-Meeting sogar eine Zinserhöhung von fast 140 Basispunkten eingepreist.

Andererseits würden eine stärkere Eintrübung der Wachstumsaussichten oder eine Verwerfung an den Anleihenmärkten, wo die Renditedifferenzen zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen erneut gestiegen seien, bereits im September zu einem kleineren Zinsschritt oder sogar einer Pause führen.

Mit ihrer schärferen Gangart habe die EZB gestern ihren Rückstand in Sachen geldpolitischer Straffung zu anderen großen Zentralbanken verringert, wie der amerikanischen FED oder der Bank von England, die bereits voll im Zinserhöhungszyklus stecken würden. Zuletzt dürfte der Beginn des Zinszyklus in Europa nun auch die Schweizerische Zentralbank (SNB) aufwecken. Die Experten von Vontobel Asset Management würden daher einen ersten Zinsschritt der SNB bereits im September und jeweils einen weiteren im Dezember und im März des neuen Jahres erwarten, was dann auch in der Schweiz ein Ende der Negativzinsen bedeuten würde. (Ausgabe vom 09.06.2022) (10.06.2022/alc/a/a)





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