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EZB: Hawkishe Sitzung


10.06.22 12:35
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat auf Ihrer Sitzung am 9. Juni angekündigt, den Leitzins im Juli um 25 Basispunkte, im September höchstwahrscheinlich um 50 Basispunkte anzuheben und danach weitere Zinsschritte folgen zu lassen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Außerdem würden ab dem 1. Juli netto keine Anleiheankäufe mehr stattfinden. Darüber hinaus seien die Inflationsprognosen nach oben und die Wachstumsprognosen zum größten Teil nach unten revidiert worden. Lagarde habe sich nicht konkret zu den Gerüchten geäußert, dass ein neues Instrument zur Kontrolle der Spreads von Staatsanleihen in Erwägung gezogen werde.

Zu den Zinserhöhungen: "... der EZB-Rat beabsichtigt, die Leitzinsen der EZB auf seiner geldpolitischen Sitzung im Juli um 25 BP anzuheben." Und: "Sollten die mittelfristigen Inflationsaussichten anhalten oder sich verschlechtern, wird auf der September-Sitzung eine größere Anhebung angemessen sein." Übersetzung: Eine Zinsanhebung um 50 Basispunkte im September scheine so gut wie sicher zu sein.

Zur Inflation: Lagarde habe betont, dass der Inflationstrend nicht mehr nur von der Energie angetrieben werde, sondern von einer breiten Palette von Gütern. Zitat: "75% der Güter (im Inflationskorb) weisen eine jährliche Inflation von über 2% auf." Anmerkung: Daraus leite Lagarde letztlich einen dringenden Handlungsbedarf bei der Bekämpfung der Inflation ab.

Zum neutralen Zinssatz: "Wir haben ihn (den neutralen Zinssatz) dieses Mal nicht diskutiert". Laut Lagarde werde der neutrale Zinssatz bei den nächsten Treffen aber sicher ein Thema sein. Die Relevanz des neutralen Zinssatzes (das Leitzinsniveau, das die Wirtschaft weder bremst noch anschiebe) ergebe sich aus der Tatsache, dass Lagarde bei der vergangenen Sitzung gesagt habe, die EZB werde den Leitzins zunächst bis zum neutralen Zinssatz anheben.

Zu den Gerüchten über die Planung eines Instruments zur Kontrolle der Spreads von Staatsanleihen: "Wir müssen sicherstellen, dass die Geldpolitik auf die gesamte Eurozone übertragen wird", was im Falle einer Fragmentierung nicht gegeben sei. Auf die Frage, ob es ein bestimmtes Spread-Niveau gebe (beispielsweise von italienischen Bonds), das eine Reaktion bei der EZB auslösen würde, habe Lagarde gesagt: "Wir werden eine Fragmentierung nicht tolerieren, das ist das Kriterium (nicht die Höhe der Spreads). Und: "Wir können bestehende Instrumente nutzen (Reinvestition von PEPP-Laufzeiten auf flexible Weise) und haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir neue Instrumente entwickeln und einsetzen können." (sinngemäßes Zitat).

Insgesamt eine eher hawkishe Sitzung. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank passen ihre Leitzinsprognose für das Jahresende von 1,0% auf 1,25% an. Der Einlagenzinssatz dürfte auf 0,75% steigen. (10.06.2022/alc/a/a)