EZB-Geldpolitik ist immer noch extrem locker - Der Leitzins sollte längst bei über 12% liegen


06.09.22 13:30
SOLIT Gruppe

Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - Am Donnerstag wird es eine Rede von Jerome Powell geben sowie die Notenbanksitzung der EZB mit einer sehr wahrscheinlichen Anhebung des Leitzinses um 75 Basispunkte, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Angesichts einer historisch hohen Inflationsrate von 8,5% liege die EZB weit hinter der Kurve. Der neutrale Marktzins dürfte im Bereich von 12,5% liegen, womit selbst eine Zinsanhebung 75 Basispunkte eine unverändert lockere Geldpolitik in einem unvermeidlich rezessiven Umfeld darstelle. Dies nenne man Stagflation, die Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe, schon Anfang 2019 für die nächste Dekade vorhergesagt habe. Es sei also alles nichts Neues und es komme, wie es kommen müsse. Man kann nicht unendlich Inflation und Fehlallokationen erzeugen, ohne dass einem das Ganze irgendwann um die Ohren fliegen wird, was wir aktuell erleben, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Die Presse verkaufe den Menschen diesen Zinsschritt als "Kampf gegen Inflation", mit Aussagen, die nicht falscher sein könnten, während die Wahrheit diametral gegensätzlich sei.

"Auf jeden Fall muss diese Inflation bekämpft werden und man wird da nicht mehr so zimperlich sein. Das bedeutet, man wird eben auch in Kauf nehmen, dass die Wirtschaft weniger wächst und da führt eben kein Weg dran vorbei. Das bedeutet, dass die Europäische Zentralbank das bisher schier unvorstellbare tun wird, nämlich einen großen Zinsschritt von einem Dreiviertel Prozent." ntv

Niedrige Zinsen würden eine Wirtschaft nicht schneller wachsen lassen, sondern würden diese lediglich in eine andere Richtung führen, weg von einem nachhaltigen Pfad. Ebenso wenig würden steigende Zinsen für eine schwächere Wirtschaftsleistung sorgen, sondern sie würden diese nur wieder zurückführen auf den nachhaltigen Weg und die unrentablen Fehlallokationen vernichten, die erst durch künstlich niedrige Zinsen entstanden seien. Erst durch eine Rezession könne eine Volkswirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren.

Würden die Notenbanken Zinsen unter das natürliche Marktniveau senken, dann führe das am Ende des Tages immer dazu, dass eine Wirtschaft weniger stark wachse, als sie hätte wachsen können ohne Eingriff der Zentralbanken. Im schlimmsten Fall könnten ganze Volkswirtschaften zerstört und der Kapitalstock gänzlich vernichtet werden, wenn Notenbanken die Zinsen zu lange zu stark senken und dabei zu viel Inflation erzeugen würden. Künstlich niedrige Zinsen seien damit negativ für das langfristige Wirtschaftswachstum und den Anstieg des Wohlstands, während marktgerechte Zinsen das Kapital am effizientesten allozieren und somit das höchstmögliche Wirtschaftswachstum erzeugen würden.

Das Einzige, was an der Zinsanhebung unvorstellbar sei, sei der Abstand, mit dem der Leitzins der Inflationsrate im Euroraum von 8,9% hinterherhinke. Eine Anhebung des Leitzinses sei längst überfällig und würde die EZB ihren Worten vom Kampf gegen Inflation Taten folgen lassen, dann müssten der Leitzins längst zweistellig sein und es dürfte kein OMT-Programm der EZB geben, mit dem sie in unbegrenzter Höhe Staatsanleihen von strauchelnden EU-Staaten aufkaufe, sondern sie würde ein QT-Programm starten, ebenso wie die FED.

Natürlich würde das das Ende der Europäischen Union bedeuten, die sofort zerbrechen und die Folgen der Politik der letzten Jahrzehnte offenlegen würde. Deshalb werde man weiter Sündenböcke suchen und finden, um weiter an der Macht zu bleiben und gegebenenfalls weiter Geld drucken, um die politische EU am Leben zu erhalten, wenn auch die Bevölkerung Europas dabei völlig verarmen werde.

Eine neue Krise in der Welt würde der US-Notenbank und der EZB jedoch die Möglichkeit geben, früher gegenzulenken und nicht erst auf einen neuen Wirtschafts- und Finanzmarktzusammenbruch zu warten. Edelmetalle, allen voran das Gold, würden in den nächsten Jahren zu den sichersten und sehr wahrscheinlich am besten performenden Investments gehören. TINA - There Is No Alternative - zum Gold, denn die Aktien- und Anleihenmärkte würden in den nächsten Jahren mit den steigenden Zinsen weiter fallen, während die Rezession wüten werde. (06.09.2022/alc/a/a)