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EZB: Ein 75-Bp-Zinserhöhungsschritt inzwischen zu knapp über 70% eingepreist


06.09.22 14:15
nordIX AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB steht - wie auch andere Notenbanken - unter inzwischen selbstauferlegten Druck, so Jens Franck, Leiter Portfoliomanagement bei dem Hamburger Fixed Income-Spezialisten nordIX AG.

Sie wolle offensichtlich verloren gegangenes Vertrauen durch klare Ansagen bzw. Zinsschritte zurückgewinnen. Die Gemengelage aus unverändert ansteigenden Inflationsraten mit Gefahren von im weiteren Verlauf des Jahres sichtbaren Zweitrundeneffekten und sich eintrübenden Wirtschaftswachstumsaussichten habe - auch in der Diskussion zwischen Falken und Tauben im Rat - zu Unsicherheiten hinsichtlich eines prognostizierbaren Zinspfads geführt.

Die steigenden Energiepreise mit der Folge möglicherweise anstehender Produktionskürzungen und eingeschränkte Schifffahrtswege würden weiter inflationstreibend wirken. Um einer "Entankerung" der Inflationsaussichten entgegenzuwirken, werde eine weitere deutliche Anhebung des Leitzinses anvisiert, auch wenn dadurch das Risiko eines makroökonomischen Rückgangs steige.

Daher hätten offensichtlich die Falken das Zepter im Rat übernommen. Ein 75 Basispunkte-Zinserhöhungsschritt auf dieser sehr wichtigen Sitzung sei inzwischen zu knapp über 70 Prozent eingepreist. Wir sehen jedoch einen 50 Basispunkte-Schritt, um dem Lager der Tauben im Rat gerecht zu werden, so Jens Franck, Leiter Portfoliomanagement bei der nordIX AG. Allen voran EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sehe Gefahren eines Überschießens der Geldpolitik. Dieser Annahme schließe sich Jens Franck von der nordIX AG an. Durch einen 50 Basispunkte-Schritt würde die EZB im "Driver-Seat" bleiben und wichtige Flexibilität generieren. Unabhängig von der Höhe des Zinsschritts werde die Begründung in der anschließenden Pressekonferenz von großer Bedeutung sein. Wenngleich die "Forward Guidance" gekippt worden sei, würden die Märkte einen klaren Fahrplan erwarten! (06.09.2022/alc/a/a)