Erweiterte Funktionen

EUR Benchmark Bankanleihen: Mit Primärmarktvolumen von 181 Mrd. EUR ist 2022 ein Ausnahmejahr


06.01.23 09:24
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das emittierte Volumen erstrangig unbesicherter EUR-Benchmark Bankanleihen summierte sich im 4. Quartal 2022 auf rekordhohe 45 Mrd. EUR, nahezu 70% über dem Vorjahr und mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der letzten sechs Schlussquartale, so die Analysten der Helaba.

Mit einem Primärmarktvolumen von 181 Mrd. EUR sei das Gesamtjahr 2022 ein Ausnahmejahr gewesen. Es habe das Vorjahr um rund 30% und selbst das Rekordjahr 2019 um 14% übertroffen. Getrieben war die Aktivität nach Erachten der Analysten der Helaba insbesondere durch hohe Fälligkeiten, regulatorische Anforderungen an das gesamte Haftkapital und Vorfinanzierungen im Umfeld sich ausweitender Credit Spreads sowie der rückläufigen Liquiditätsbereitstellung durch die Zentralbanken, während die Kreditnachfrage insbesondere von Unternehmenskunden stabil hoch blieb. Der Anteil regulatorisch geforderter Non-preferred Anleihen habe sich wie im Vorjahr auf 60% belaufen.

Im Jahr 2023 werde das Emissionsvolumen gemäß der Erwartung der Analysten erneut rund 180 Mrd. EUR erreichen. Während sie bei den Senior Preferred Emissionen von einer leichten Steigerung um 10% gg. 2022 auf 80 Mrd. EUR ausgehen würden, würden sie für Emissionen im Non-preferred Rang einen Rückgang um 6% auf 100 Mrd. EUR erwarten. Gestützt werde die Aktivität im Jahr 2023 gemäß der Einschätzung der Analysten insbesondere durch erneut hohe Fälligkeiten. Für Refinanzierungen im Senior Preferred Rang würden darüber hinaus TLTRO-Rückzahlungen sowie vergleichsweise engere Spreads sprechen. Regulatorische Anforderungen würden gleichzeitig treibend für Senior Non-preferred Emissionen bleiben. Gegenläufige Faktoren seien bereits erfolgte Vorfinanzierungen aus dem Jahr 2022. Ferner spreche das schwächere wirtschaftliche Umfeld für geringeres Kreditneugeschäft insbesondere bei Unternehmensfinanzierungen, gleichzeitig könnten aber Kundeneinlagen aufgrund hoher Lebenshaltungskosten abfließen. Im weiterhin krisenbelasteten volatilen Marktumfeld bleibe das richtige Timing herausfordernd, wie schon 2022 würden offene Marktfenster auch bei erhöhten Spread-Niveaus rege genutzt.

Im Jahr 2022 seien gedeckte Schuldverschreiben im Benchmark-Format mit einem Rekordvolumen von 210 Mrd. EUR emittiert worden. Dies obwohl eine ganze Reihe von Belastungsfaktoren, wie steigende Zinsen, Konjunktur- und Inflationssorgen, der Ukraine-Krieg und heftige Kurssprünge bei den Energiepreisen den Emittenten ein herausforderndes Marktumfeld beschert hätten. Folglich hätten vor allem in der zweiten Jahreshälfte höhere Neuemissionsprämien akzeptiert werden müssen. Bei den Laufzeiten habe das 3- bis 5-jährige Zeitfenster dominiert. Rund 34% der Emissionen seien auf diesen Bereich entfallen. ESG-Papiere seien mit einem Volumen von 19,1 Mrd. EUR platziert worden. Damit sei der prozentuale ESG-Anteil am Gesamtemissionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig gewesen. Im Jahr 2023 würden Covered Bonds im Umfang von 126 Mrd. EUR fällig. Zudem werde die Nachfrage nach sicheren Assets angesichts der vorhandenen Risikofaktoren anhalten. Die Analysten der Helaba rechnen für das Gesamtjahr mit einem Neuemissionsvolumen von 160 Mrd. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr geringere Fälligkeiten, bereits im Jahr 2022 vollzogene Emissionen (Vorzieheffekte) und der sukzessive Ausstieg der EZB aus den Ankaufprogrammen würden zur Erwartung einer niedrigeren Emissionstätigkeit beitragen. (Ausgabe vom 05.01.2022) (06.01.2023/alc/a/a)