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Dreifacher Schub für die Märkte?


22.11.22 10:15
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Schon seit Wochen komme ich mir vor wie in der entscheidenden Szene aus dem Film "Apollo 13", in der das Kohlendioxid-Meter nach ein paar nervenaufreibenden Momenten endlich einen Rückgang anzeigt. So ähnlich ist es auch mit der Entwicklung der Inflation, wo der Rückgang des Verbraucherpreisindex in den USA im Oktober der Beginn eines stärkeren Rückgangs gewesen sein könnte, so Stephen Li Jen, CEO von Eurizon SLJ Capital Ltd.

Nun frage sich der Experte, ob wir einen "Dreifachen Schub" erleben würden, der die Risikoanlagen nach oben und den Dollar nach unten treibe.

Schub 1: Eine gemäßigtere FED. Die Straffung der Geldpolitik in riesigen Sprüngen von 75 Basispunkten sei äußerst drastisch gewesen und unterscheide sich diametral von der Strategie der 25 Basispunkte pro Zinserhöhung, die die frühere Vorsitzende Yellen verfolgt habe. Sehr schnell könnte das FOMC in dieser höchst unsicheren Welt den Überblick über die kumulative Straffung verlieren. Bei einer sinkenden Inflation, während die Wirtschaft schwächele, wäre es mehr als unverständlich, wenn die FED weitere Zinserhöhungen um 75 Basispunkte durchsetzen würde.

Schub 2: China lockere seine Null-COVID-Politik. China werde sehr wahrscheinlich versuchen, seine COVID-Politik bis März 2023 zu lockern, was natürlich von den Fortschritten in der Realität abhänge. Die Null-COVID-Politik stehe in einem "multiplikativen" Zusammenhang mit dem Immobiliensektor und der Wirksamkeit der geldpolitischen Lockerung. Ohne eine Lockerung der Null-COVID-Politik könne der Immobilienmarkt nicht in Schwung gebracht werden, die Elastizität der Kreditnachfrage in Bezug auf die Zinssätze wäre gering.

Schub 3: Waffenstillstand in der Ukraine. Die Experten von Eurizon hoffen und vermuten, dass das Weiße Haus in Kooperation mit China die Ukraine und Russland recht bald zu einem ausgehandelten Waffenstillstand drängen wird.

Was aber passiere, wenn alle drei Schübe bis zum Jahresende ihre Kraft entwickeln würden? Dann könnten wir, angesichts der einseitigen Marktpositionierung bei Aktien, Devisen und Anleihen, sehr starke Marktbewegungen erleben. (22.11.2022/alc/a/a)