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Das Dilemma der Geldpolitik


16.09.22 12:54
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Daten zur US-Inflation lösten eine Verkaufswelle an den Aktienmärkten aus, so die Analysten der Helaba.

Hoffnungen, dass der aggressive Zinskurs der FED allmählich Früchte trage und somit eine langsamere Gangart rechtfertigen könnte, seien enttäuscht worden. Zins- und Rezessionssorgen hätten die abgelaufene Handelswoche beherrscht und in Spekulationen gegipfelt, die US-Notenbank könne zu einem Jumboschritt von 100 Basispunkten gezwungen sein. Investoren hätten Sicherheit gesucht, die weder von Aktien noch von Renten gegeben worden sei. Sogar Gold, ein bewährter "Sicherheits-Klassiker", habe unter dem Eindruck kräftiger US-Zinssteigerungen verloren und auf Wochensicht über 2% eingebüßt.

Dabei habe die Weltbank in einem aktuellen Bericht auf das Dilemma der Geldpolitik hingewiesen: Die seit einem halben Jahrhundert beispiellose Welle an kontraktiven geldpolitischen Maßnahmen habe die Wahrscheinlichkeit einer Rezession der Weltwirtschaft im kommenden Jahr deutlich erhöht, ohne dem Ziel einer nachhaltigen Zurückführung der Inflation näher zu kommen.

Europäische Geldpolitiker hätten die Zeit nach dem ersten Zinsschritt der EZB von 75 Basispunkten genutzt, um zu beruhigen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane habe darauf hingewiesen, dass künftige Zinsschritte auch wieder kleiner ausfallen könnten. Es gebe diesbezüglich keinen Automatismus. Deshalb hätten sich die Kursverluste am europäischen Rentenmarkt in Grenzen gehalten, allerdings schwanke die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe um ihr Jahreshoch von 1,771%. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein neues Top markiert werde. Dies gelte auch für 10-jährige US-Treasuries, deren Verzinsung aber unter dem Eindruck der aktuellen Zinsspekulationen deutlicher nach oben gezogen sei.

Die US-Geldpolitik wirble auch die Devisenmärkte ordentlich durcheinander: Der US-Dollar sei gegenüber dem Euro wieder unter die Parität gefallen, während der Euro gegenüber dem Schweizer Franken auf ein 7-Jahrestief nachgegeben habe. Interessant werde in der Berichtswoche nicht nur die geldpolitische Sitzung der FED, sondern auch der Bank of Japan. Diese möchte der Schwäche des Yen mit Interventionen begegnen, Zinsanhebungen stünden hier wohl immer noch nicht auf der Agenda.

Konjunkturell würden die Einkaufmanagerumfragen aus dem Euroraum Beachtung finden. Würden sich mit einem Rutsch unter die Expansionsgrenze von 50 Punkten die Rezessionssorgen im Euroraum verstärken? Wenigstens habe es zuletzt positive Nachrichten aus China gegeben, wo die Industrieproduktion wieder besser als erwartet ausgefallen sei. Von der Sitzung der chinesischen Notenbank könnten womöglich weitere günstige Signale für die Anleger ausgehen. Viel an Positivem stehe derzeit ohnehin nicht zur Verfügung. (16.09.2022/alc/a/a)