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Deutsche Staatsanleihen freundlich aus dem Handel gegangen


05.09.22 08:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Kurse der deutschen Staatsanleihen sind nach dem US-Arbeitsmarktbericht freundlich aus dem Handel gegangen, so die Analysten der Nord LB.

Vor allem der Stopp russischer Gaslieferungen nach Europa habe die Kurse der US-Treasuries steigen lassen.

Die Erzeugerpreise im Euroraum seien im Juli stärker als erwartet gestiegen. Laut Eurostat hätten sie sich gegenüber dem Vormonat um 4,0% erhöht und damit um 37,9% (Juni: 36,0%) über dem Niveau des Vorjahres gelegen. Die Erzeugerpreise insgesamt ohne den Energiesektor seien um 0,6% mom (15,1%) gestiegen.

Die US-Arbeitsmarktdaten für August seien erwartet positiv ausgefallen: Der Stellenaufbau habe bei 315.000 gelegen. Die Arbeitslosenquote habe nur wegen deutlich mehr Erwerbstätiger auf 3,7% angezogen. Zusammen mit dem Stundenlohn- und Inflationsanstieg sei eine geldpolitische Straffung nötig: Die FED werde im dritten und vierten Quartal die "Zinsanhebungsorgie" fortsetzen. Die Aussagen diverser US-Notenbanker in den vergangenen Tagen hätten die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass den zwei "Jumbo-Zinsanhebungen" um 75bp noch eine weitere am 21.09. folgen werde. Das Tempo der Zinsschritte dürfte dann aber zurückgehen, da sich die konjunkturelle Lage eintrüben sollte.

Ein "Soft Landing" erscheine angesichts massiver Ausschläge von Inflation und Zinsen historisch gesehen in jedem Fall eine Herkulesaufgabe für das FOMC zu sein. Doch ordne die FED nicht bereits alles der Inflationsbekämpfung unter? Entsprechend seien Euro (ungeachtet der EZB) und der Yen unter Druck geraten.

Ausblick: Diese Woche mit einer ganz wichtigen Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag könnte heute eigentlich aufgrund des in den USA gefeierten Labor Day recht ruhig starten. Allerdings dürften zwei Ereignisse an einem solch handelsarmen Tag dann aber doch für Aufregung sorgen können: Erstens werde nach Brexit und Partygate Boris Johnson abtreten, sein(e) Nachfolger(in) als Premierminister(in) von den Tories bestimmt und dann von der Queen ernannt. Zweitens tage die OPEC+ und könnte mit neuen Entscheidungen (Förderkürzungen?) den Ölmarkt in Bewegung setzen.

Mit einem (Hühner)Auge dürften die ganz interessierten Volkswirte am heutigen Vormittag noch auf die Bekanntgabe der Septemberzahlen der Sentix-Umfrage schauen wollen, ansonsten drehe sich im weiteren Verlauf der Woche alles um die EZB-Sitzung am Donnerstag. Die Analysten würden nach der ersten großen Zinsanhebung seit 2011 um 50bp im Juli nun mit einem nochmals höheren Zinsschritt um 75bp rechnen. Die Aussagen diverser Notenbanker in den vergangenen Tagen würden darauf hindeuten und die Inflation bei 9,1% erfordere ein "front loading", solange es noch konjunkturell halbwegs vertretbar erscheine. Ob dies bereits die aufgetürmte Inflationswelle bremse, sei fraglich, aber im Grunde könne letztere ohnehin nur durch einen massiven globalen Nachfragerückgang gebrochen werden (begleitet von Zinsanhebungen). (05.09.2022/alc/a/a)