Erweiterte Funktionen

Deutsche Staatsanleihen: Ankündigung der EZB belastet die Kurse


10.06.22 09:33
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Ankündigung der EZB, die Zinswende einzuleiten, hat die Kurse der deutschen Staatsanleihen belastet und auch auf die US-Treasuries Druck ausgeübt, so die Analysten der Nord LB.

Die EZB habe auf ihrer Junisitzung eine geldpolitische Zeitenwende eingeleitet. Infolge des Angebotsschocks durch den Krieg in der Ukraine habe sich der Inflationsausblick auch auf mittlere Sicht erheblich verschlechtert. Dem würden die Währungshüter nun Rechnung tragen, indem die APP-Nettoanleihekäufe zur Jahresmitte beendet und ab Juli auch die Leitzinsen schrittweise angehoben würden. Bereits im September würden somit Negativzinsen der Geschichte angehören, angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks ist dann auch eine Erhöhung der Leitzinsen um 50 Basispunkte wahrscheinlich.

Zudem würden die Analysten angesichts des hawkishen Statements der EZB davon ausgehen, dass dies erst der Auftakt für eine ganze Serie von Zinserhöhungen sein werde. Entsprechend sei die Reaktion der Kapitalmarktzinsen ausgefallen, und die zinstreibenden Faktoren sollten im Euroraum vorerst die Oberhand behalten.

Nach einer Notenbanksitzung sei vor einer Notenbanksitzung: Jener gestern der EZB folge schon nächsten Mittwoch die der FED. Dabei werde das FOMC nochmal genau auf die heute anstehenden Inflationszahlen aus den USA schauen. Im Grunde sei schon seit längerem zu erwarten gewesen, dass im Verlauf dieser Frühjahr- und Sommermonate die Jahresrate der US-Verbraucherpreise sukzessive zurückgehen sollte, denn schließlich sei absehbar gewesen, dass die im Vorjahr zu verzeichnenden hohen Monatsraten nach und nach aus der Statistik rausfallen würden.

Doch das mit dem Rückgang der Inflationsrate, die derzeit bei 8,3% Y/Y liege, klappe nur, wenn auch die aktuellen Monatsraten unterhalb jenen des Vorjahres lägen. Und das sei das Problem: Mit den erneut aufgrund der gestiegenen Öl- und Benzinpreise zu erwartenden hohen Preiszuwächsen auch im Mai - die Analysten würden mit einem Plus um 0,7% M/M rechnen - werde die US-Inflationsrate nur marginal auf 8,2% zurückgehen können. Immerhin: Die Kernrate sollte um "nur" 0,4% M/M bzw. 5,9% Y/Y anziehen. Insgesamt würden diese Zahlen aber für weitere Zinsanhebungen um 50bp der FED im Juni und Juli sprechen. (10.06.2022/alc/a/a)