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Deutsche Bundrenditen auf unter 2,30% abgetaucht


14.03.23 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Inverse Zinsstrukturkurven sind seit jeher ein guter Indikator für zukünftige Stressfaktoren im Finanzsystem, so die Analysten der Nord LB.

Meldungen über Schwierigkeiten bei einzelnen US-Banken würden seit geraumer Zeit Sorgen machen und Schockwellen in Form von rasant steigenden Kursen bei Staatsanleihen senden. Die Angst einer Ansteckung im Finanzsektor habe am Montag die Renditen von US-Treasuries deutlich auf unter 3,60% (minus 18 Basispunkte) abrutschen lassen. Deutsche Bundrenditen seien auf unter 2,30% (minus 25 Basispunkte) abgetaucht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe gestern gegenüber der Silicon Valley Bank Germany Branch aufgrund der bestehenden Gefahr für die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber Gläubigern ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Außerdem habe die BaFin angeordnet, die Bank für den Verkehr mit der Kundschaft zu schließen (Moratorium). Die EZB-Bankenaufsicht plane nach dem SVB-Kollaps einem Insider zufolge aber kein Notfall-Treffen ihres Aufsichtsgremiums. Die Bundesregierung habe sich beruhigend geäußert. Die Banken-Lage nach der SVB-Pleite sei mit der Finanzkrise 2008 nicht vergleichbar.

US-Präsident Joe Biden habe nach dem Kollaps der SVB erklärt, die Bankenregeln verschärfen zu wollen.

Nach dem US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag stehe heute mit der US-Inflationsrate der zweite entscheidende Meilenstein vor der nächsten FOMC-Sitzung am 22. März zur Veröffentlichung an. Nach den starken Januar-Zahlen dürfte sich auch im Berichtsmonat Februar kaum eine schwächere Tendenz bemerkbar gemacht haben: So würden die Analysten sowohl für die Gesamtrate als auch die Kernrate der US-Konsumentenpreise einen Monatsanstieg um für die FED unakzeptable hohe 0,4% rechnen. Die Inflationsrate dürfte basisbedingt auf 6,0% Y/Y zurückgehen - jedoch nur, weil ein starker Vorjahreswert aus der Statistik falle.

Isoliert betrachtet könnten diese Daten also schon für einen 50er Zinsschritt der FED sprechen, doch die Turbulenzen der letzten Tage um einige kleinere US-Banken würden zeigen, dass die FED-Zinsanhebungen - mit dem erwarteten Lag - langsam durchaus negativ zu wirken beginnen würden. Also: Vorsicht an der Bahnsteigkante. (14.03.2023/alc/a/a)