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Deutsche Bundesanleihen: Renditeanstieg geht weiter


15.06.22 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Auch am Dienstag ging der Renditeanstieg deutscher Bundesanleihen, wenn auch gebremst, weiter, so die Analysten der Nord LB.

Die deutschen Großhandelspreise seien im Mai etwas langsamer gestiegen als im April. Wie Destatis bekannt gegeben habe, hätten sich die Preise um 1,0% gegenüber dem Vormonat erhöht und um 22,9% (April: 23,8%) höher als im Vorjahr gelegen. "Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf die Großhandelspreise sind wie bereits im April auch im Mai 2022 besonders im Großhandel mit Rohstoffen und Energieträgern, aber auch mit Lebensmitteln zu beobachten", habe es geheißen. Mineralölerzeugnisse seien 63,5% teurer geworden, die Preise für Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel seien um 46,0% in die Höhe geschossen. Auch chemische Erzeugnisse (+43,1%) und Erze, Metalle und Metallhalbzeug (+41,1%) seien erheblich teurer geworden. Im Großhandel mit Milch, Milcherzeugnissen, Eiern, Speiseölen und Nahrungsfetten seien die Preise um 35,5% gestiegen.

Die Stimmung der vom ZEW befragten Finanzmarktexperten und -expertinnen habe sich im Juni leicht verbessert. Die Befragten hätten die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland in den nächsten sechs Monaten etwas besser als im Mai eingeschätzt: Die Konjunkturerwartungen seien um 6,3 Punkte auf -28 Saldenpunkte gestiegen. Für die aktuelle Lagebeurteilung habe sich ein Saldo von -27,6 Zählern ergeben - ein Zuwachs um immerhin 8,9 Punkte. Trotz dieser Anstiege lägen beide Salden deutlich im negativen Bereich, was die geopolitischen Unsicherheiten gut widerspiegle. Der Ukraine-Krieg (mit den gestiegenen Rohstoffpreisen) und Lieferkettenengpässe würden u.a. zu einem enormen Inflationsdruck führen.

Heute sei wieder einmal "Decision Day": Die FED tage und werde am Abend ihre Entscheidungen bekanntgeben. Es ist von einem großen Zinsschritt um (mindestens) 50bp auf 1,50% auszugehen, gefolgt von einem ebenso großen auf der im Juli folgenden FOMC-Sitzung. Selbst 75bp (oder gar 100bp) würden die Märkte für heute nicht ausschließen. Was im September dann passieren werde, sei noch recht offen: Denkbar seien weitere 50bp, wenn die Inflation nicht zurückgehen und die Konjunktur weiter brummen sollte. Anzeichen einer Entspannung an der Inflationsfronst und Schwächesignale bei Konjunkturindikatoren könnten die FED aber auch bereits zu einer vorsichtigeren Vorgehensweise bewegen - und bis September seien es ja noch drei Monate.

Spannend würden in jedem Fall der heutige Tenor im Statement, die aktualisier en FOMC-Projektionen sowie die anschließende Pressekonferenz mit Jerome Powell sein. Zuvor würden am Nachmittag die US-Einzelhandelsumsätze, der New Yorker Empire State Survey sowie der NAHB-Index noch interessante (vermutlich keine richtig starken) Signale aus den unterschiedlichen Sektoren in den USA liefern. (15.06.2022/alc/a/a)