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Deutsche Bundesanleihen: Guter Start durch US-Teuerungsraten zunichtegemacht


13.06.22 09:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Deutsche Bundesanleihen hatten einen guten Start, der am Nachmittag durch die US-Teuerungsraten zunichtegemacht wurde, so die Analysten der Nord LB.

Am Ende habe es sogar deutliche Kursverluste gegeben. Die unerwartet hohe Inflationsrate in den USA habe die Kurse der US-Staatsanleihen deutlich unter Druck gesetzt.

Die Bundesbank habe ihre Inflationsprognosen für Deutschland für die nächsten Jahre zum Teil deutlich angehoben und gleichzeitig ihre Wachstumsprognosen, u.a. wegen der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, gesenkt. Für 2022 rechne sie mit einem Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) um 7,1% (Dezember-Prognose: 3,6%). Die Prognose für die Teuerung für 2023 sei auf 4,5% (2,2%) und für 2024 auf 2,6% (2,2%) erhöht worden. Die Prognosen für die Kerninflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) würden nun auf 3,6% (2,3%), 3,2% (1,8%) und 2,4% (2,1%) lauten. Die Währungshüter würden zudem damit rechnen, dass das Wachstum des kalenderbereinigten realen BIP 2022 nur noch bei 1,9% (4,2%) liegen werde. Für 2023 werde ein Zuwachs von 2,4% (3,2%) prognostiziert, 2024 solle der Wert bei 1,8% (0,9%) liegen.

Die US-Verbraucherpreise hätten im Mai den 23. Monat in Folge um unerwartet deutliche 1,0% M/M angezogen. Insbesondere bei den Öl- und Benzinpreisen, aber auch bei den Mieten, hätten sich erneute Anstiege gezeigt. Die Inflation habe damit nochmals angezogen auf 8,6% - ein erneutes 40-Jahreshoch. Eine Wende an der Inflationsfront sei nicht erkennbar. Seien es zunächst die Disruptionen der Pandemie mit den Lieferkettenproblemen und den Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage gewesen, seien nun neben den konsumtiven Nachholeffekten die Effekte der Lockdowns in China und die durch den Russlandkrieg ausgelösten zusätzlichen Energie- und Nahrungsmittelpreiszuwächse hinzugekommen. Das FOMC werde weitere Zinsanhebungen um jeweils 50bp (Juni und Juli) durchführen - es sei ja mittlerweile Millionen von Meilen hinter dem Geschehen. Perspektivisch sei aber eine Bremswirkung auf die Konjunktur zu beachten - und dann sicher heftig.

In dieser Woche stünden eine ganze Reihe von wichtigen Notenbanksitzungen weltweit an. Das Highlight bilde dabei natürlich jene des FOMC am Mittwoch, gefolgt von jenen der BoE und der SNB (Do.) sowie der BoJ (Fr.). Die FED werde mit hoher Wahrscheinlichkeit eine große Zinsanhebung um 50bp durchführen und eine ebenso große für den Juli ankündigen. Die Inflationszahlen in den USA müssten bis September schon noch deutlich zurückgehen, wenn das FOMC zu dem Zeitpunkt dann eine Pause einlegen möchte. Daneben gelte es aber auch noch marktrelevante Datenveröffentlichungen zu analysieren, wie die deutschen ZEW-Konjunkturerwartungen (Di.), die US-Einzelhandelsumsätze (Mi.) und die US-Industrieproduktion (Fr.). (13.06.2022/alc/a/a)