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Deka-EZB-Kompass: Zunehmende Hektik


06.09.22 10:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Deka-EZB-Kompass setzte seine Abwärtsbewegung fort und sank im August auf 33,4 Punkte, so die Analysten der DekaBank.

Die Unterschiede zwischen seinen Teilbereichen hätten dabei weiter zugenommen. Während die Inflationssäule an ihrer technischen Obergrenze von 100 Punkten verharre, sei nach der Finanzierungssäule auch die Konjunktursäule in den negativen Bereich gefallen. Einem außergewöhnlich starken Inflationsdruck stünden somit eher restriktive Finanzierungsbedingungen und ein unterdurchschnittliches Wachstum gegenüber. Dies unterstreiche, dass der EZB-Rat mit einer komplexen Ausgangssituation konfrontiert sei. In der Summe spreche der EZB-Kompass für eine weitere Straffung der Geldpolitik, aber nicht mehr unbedingt für besonders große Zinsschritte.

Dennoch hätten sich einige Ratsmitglieder im Vorfeld dieser Sitzung für eine Leitzinserhöhung um gleich 75 Basispunkte ausgesprochen. Sie würden sich dabei nicht allein auf den makroökonomischen Datenkranz stützen, der durch den EZB-Kompass zusammengefasst werde, sondern würden zudem auf zwei miteinander verflochtene Risiken verweisen: Erstens könnte der Preisauftrieb derzeit eine höhere Persistenz aufweisen als üblich und zweitens in einer noch längeren Phase stark erhöhter Inflationsraten das öffentliche Vertrauen in das Inflationsziel verlorengehen.

Beide Argumente seien im EZB-Rat durchaus umstritten, sodass eine kontroverse Diskussion bevorstehe. Aufgrund der geschwächten Position des Taubenlagers sei die Wahrscheinlichkeit jedoch groß, dass die EZB das Tempo der gelpolitischen Normalisierung nochmals forciere und die Leitzinsen tatsächlich um 75 Basispunkte anhebe, um angesichts der rasant steigenden Inflation nicht untätig zu erscheinen. (06.09.2022/alc/a/a)