Deflation statt Inflation


16.09.22 14:18
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - "Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann", hat einmal der französische Maler und Schriftsteller Francis Picabia gesagt. Ich liebe dieses Zitat, es lässt sich einfach so herrlich oft anwenden, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur in der aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly" der BNP Paribas.

Auch jetzt wieder, auf die Inflation. Während nämlich allerorten über die Inflation geredet und geschrieben werde, warne Cathie Wood, eine bekannte Fondsmanagerin aus den USA, vor der Deflation, also dem genauen Gegenteil. Zur Erinnerung: Während in der Inflation alles teurer werde, werde in der Deflation alles billiger. "Das ist natürlich etwas plakativ, Inflation und Deflation sind sehr komplexe Gebilde, aber halten wir das einfach mal so fest", so Olaf Hordenbach. Nun könnte man ja sagen, super, denn nehme man doch die Deflation, wenn alles billiger werde, solle das nur recht sein. Das sei leider aber nicht ganz zu Ende gedacht. Volkswirtschaftlich gesehen sei die Deflation eine Vollkatastrophe, fast noch schlimmer als die Inflation.

Zurück zu Cathie Wood und ihrem runden Kopf, in dem das Denken die Richtung geändert habe: Sie habe sagt, die Notenbanken hätten sich in Panik versetzen lassen und würden es mit ihren Zinserhöhungen übertreiben. Und das in einer Phase, in der sich ohnehin schon einige Preise rückläufig entwickeln würden. Sie verweise hier unter anderem auf den Ölpreis, der nun wieder deutlich niedriger notiere. Auch bei vielen anderen Rohstoffen sehe sie eine Entspannung, was in ihren Augen den Preisdruck markant reduzieren dürfte. Stattdessen warne sie vor steigenden Arbeitslosenzahlen. Auch wenn diese im Moment noch recht niedrig seien, so scheine es auch bei amerikanischen Mittelstandsunternehmen zu knirschen. Steigende Zinsen seien nämlich schlecht für Unternehmen, wenn sie sich etwa Geld leihen oder Schulden zurückzahlen müssten.

Bleibe die Preisfrage, wer am Ende recht habe. Die Inflationswarner oder Cathie Wood? Olaf Hordenbach sei sich da nicht so sicher. Es stimme schon, alles werde derzeit teurer. Aber man habe auch einige sehr spezielle externe Faktoren, etwa die Nachwehen der Corona-Pandemie und den richtigen und wichtigen Schritt, in Sachen Energieversorgung von Russland unabhängig zu werden. "Und wir haben Jahrzehnte hinter uns, in denen wir oft nur mit Mühe und Not an der Deflation vorbeigerutscht sind", so Olaf Hordenbach. Wenn jetzt mal eine Zeit lang alles teurer werde, sei das eigentlich nicht verwunderlich. Insofern könnte Cathie Wood mit ihrer Warnung mittelfristig recht behalten. (16.09.2022/alc/a/a)




hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
10,00 % 7,90 % 2,10 % +26,58% 28.09./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
10,00 % 4,50 %