Covered Bonds: Zehn neue EUR-Benchmarks im Volumen von 7,75 Mrd. EUR


18.01.23 11:16
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet zeigt sich der Primärmarkt im Covered Bond EUR-Benchmarksegment weiterhin sehr aktiv, so Stefan Rahaus von der NORD/LB.

Seit der letzten Wochenpublikation vergangenen Mittwoch seien verteilt über zehn Transaktionen insgesamt EUR 7,75 Mrd. bei Investoren platziert worden. Aktiv gewesen seien aus Deutschland die NORD/LB (ISIN DE000NLB34Y2 / WKN NLB34Y) (NDB; 7,2y; Bid-to-Cover: 1,3x), die Deutsche Pfandbriefbank (ISIN DE000A30WF68 / WKN A30WF6) (PBBGR; 6y; Bid-to-Cover: 0,9x), die LBBW (3,2y; Bid-to-Cover: 3,4x) und die Bausparkasse Schwäbisch Hall (ISIN DE000A30V8H6 / WKN A30V8H) (BAUSCH, 9,4y; Bid-to-Cover: 1,16x).

Aus Österreich seien die Raiffeisen-Landesbank Steiermark (RFLBST; 4y; Bid-to-Cover: 1,8x), die UniCredit Bank Austria (BACA; 3,5y; Bid-to-Cover: 1,6x) und die Raiffeisen-Landesbank Tirol (RFLBTI; 5y; Bid-to-Cover: 1,4x) an den Markt gekommen.

Mit der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (ISIN ES0413211A75 / WKN A3LCYX) (BBVASM; 4,5y; Bid-to-Cover: 1,9x) habe sich bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Emittent aus Spanien gezeigt, während die Jurisdiktion Niederlande mit der Rabobank (RABOBK; 10y; Bid-to-Cover: 1,2x) und der NIBC Bank (NIBCAP; 7y; Bid-to-Cover: 1,5x) erstmalig in diesem Jahr vertreten gewesen sei. Der Markt bleibe insgesamt aufnahmefähig, Laufzeiten bis zehn Jahre seien möglich, allerdings habe sich noch kein Emittent weiter auf der Kurve hinausgewagt.

Auffällig bleibe, dass das Investoreninteresse weiterhin auf das kürzere Laufzeitende fokussiert sei. Festmachen kann man dies an höheren Überzeichnungsquoten, niedrigeren Neuemissionsprämien und deutlich engerem finalen Spread im Vergleich zur anfänglichen Guidance bei Laufzeiten unter fünf Jahren, wobei hier nach unseren Beobachtungen der Vorzug der Investoren noch kürzer im zwei- bis dreijährigen Bereich liegt, so die Analysten der NORD/LB. Längere Laufzeiten würden nach Ansicht der Analysten der NORD/LB auch zukünftig einen höheren Spreadaufschlag zur Sekundärmarktkurve aufweisen müssen, um eine reibungslose Platzierung sicherzustellen. Dieses gelte ebenfalls für deutsche Pfandbriefe, auch wenn diese eine deutliche Outperformance gegenüber vergleichbaren Ländern erfahren hätten. Unterstützend wirke hier neben der Investorenstruktur (Verbund, "Home Bias"), dass die bisherige durchschnittliche Emissionsgröße von deutschen Emittenten vergleichsweise klein ausgefallen sei und die einzigen gedeckten Anleihen mit ESG-Hintergrund in diesem Jahr aus Deutschland gekommen seien.

Mehrfach hätten die Analysten der NORD/LB im vergangenen Jahr auf die Bedeutung des Covered Bond EUR-Subbenchmarksegmentes hingewiesen (2022: 29 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von EUR 7,95 Mrd.). Nach der letzten Emission Anfang November 2022 habe die Raiffeisen Landesbank Vorarlberg (RFVORA) vergangenen Montag diesen Teilmarkt zum Leben erweckt. Platziert worden seien EUR 300 Mio. für vier Jahre bei ms +23 Bp (Guidance: ms +26 Bp; Bid-to-Cover: 2,4x).

Die Attraktivität des ganz kurzen Laufzeitbereiches von zwei Jahren habe am gestrigen Dienstag die DekaBank (DEKA) mit einem Öffentlichen Pfandbrief unterstrichen. Für ihre bereits im Vorfeld auf ein Volumen von EUR 250 Mio. fixierte Emission sei ein Orderbuch in Höhe von EUR 1,9 Mrd. generiert worden, woraus sich eine Bid-to-Cover-Ratio von erwähnenswerten 7,6x errechne. Entsprechend habe der finale Emissionsspread von einer anfänglichen Guidance bei ms -5 Bp area auf ms -11 Bp eingeengt werden können. Die Analysten der NORD/LB würden erwarten, dass das EUR-Subbenchmarksegment auch in diesem Jahr eine nicht unbedeutende Rolle spielen werde, und sähen den Markt offen für weitere Emissionen. Insbesondere nach einem möglichen Wegfall der EZB-Unterstützung im zweiten Halbjahr könnte dieser Teilmarkt weiterhin einen Zugang zu öffentlichen Platzierungen ermöglichen.

Bis gestern seien am Primärmarkt im diesem Jahr bereits 31 EUR-Benchmarks mit einem Gesamtvolumen in Höhe von EUR 26,95 Mrd. platziert worden. Bis auf die Emission der Bank of Nova Scotia seien alle Emittenten in Euroland zu verorten gewesen und hierbei habe mit EUR 20,2 Mrd. ein Großteil aus dem Euro-Kerngebiet Deutschland, Frankreich, Österreich und den Niederlanden gestammt. Tauschoperationen am Sekundärmarkt, um von einer hohen Neuemissionsprämie oder einem aktuellen Kupon zu profitieren, hätten somit erst in einem relativ kleinen Emittentenkreis stattgefunden. Skandinavische, italienische oder osteuropäische Namen seien bisher noch nicht am Primärmarkt tätig gewesen, Gleiches gelte für Australien, Neuseeland oder Singapur.

Neben der bereits im Jahr 2022 erfolgten Spreadausweitung trage die Stabilität des Laufzeitsegmentes unter fünf Jahren zur Robustheit des Sekundärmarktes bei. Hier sehen wir auch Käufe im Nachgang der Emissionen und speziell im Laufzeitbereich unter drei Jahren kam es vergangene Woche auch zu Spreadeinengungen, so die Analysten der NORD/LB. Mit einer Verbreiterung der Jurisdiktionen am Primärmarkt würden die Analysten der NORD/LB auch von einer Zunahme der Aktivitäten am Sekundärmarkt ausgehen. Insbesondere bei Banken aus den Nordic-Ländern Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen würden die Analysten der NORD/LB aufgrund recht hoher Fälligkeiten in Höhe von zusammen EUR 8,1 Mrd. im Januar und Februar 2023 recht bald Primärmarktauftritte erwarten. Unter anderem aus diesen Gründen sähen die Analysten der NORD/LB die Spreadausweitungstendenz auch noch nicht als beendet an.

Auch im Januar hätten Banken die Möglichkeit, aufgenommene TLTRO-Mittel vorzeitig zurückzuzahlen. Es handle sich dabei um das dritte "Voluntary Repayment" seit den Anpassungen der Konditionen für die Refinanzierungsgeschäfte. Wie das Eurosystem am Freitag vergangener Woche mitgeteilt habe, würden am 25. Januar 2023 EUR 62,8 Mrd. zurückgezahlt. Damit lägen die Rückführungen im Januar deutlich unter den Erwartungen und unter den Tilgungen im November (EUR 296,3 Mrd.) bzw. Dezember (EUR 447,5 Mrd.). In Summe seien zum Januar-Tilgungstermin damit EUR 806,6 Mrd. an TLTRO-Mitteln vorzeitig zurückgeführt und die EZB-Bilanz schmelze entsprechend weiter ab. Während für das PEPP bis mindestens Ende 2024 an den vollumfänglichen Reinvestitionen festgehalten werde, würden diese beim APP nur noch bis Ende Februar 2023 laufen. Ab März bis zum Ende des 2. Quartals habe der EZB-Rat eine monatliche Reduzierung um durchschnittlich EUR 15 Mrd. angekündigt und die entsprechende Bilanzposition beginne sich auch hier sukzessive zu verringern.

Am 12. Januar 2023 habe die European Banking Authority (EBA) das Risk Dashboard für das 3. Quartal 2022 veröffentlicht. Insgesamt würden die Daten den dort analysierten Banken robuste Kapital- und Liquiditätsquoten bescheinigen. Die durchschnittliche harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1, CET1 fully loaded) sei leicht auf 14,8% zurückgegangen, gegenüber 15% im Vorquartal. Trotz eines gewissen Rückgangs der CET1-Quoten würden die Banken immer noch über einen beträchtlichen Kapitalspielraum gegenüber den aufsichtsrechtlichen Anforderungen verfügen, der in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten als wichtige Absicherung für die Kreditvergabe an die Realwirtschaft dienen könne. Die durchschnittliche Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) habe 162,5% (164,9% in Q2 2022) erreicht, während die durchschnittliche Net Stable Funding Ratio (NSFR) bei 126,9% geblieben sei.

In Zukunft dürfte sich der Abwärtstrend der Liquiditätsquoten aufgrund vorzeitiger Rückzahlungen oder fällig werdender Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) der EZB fortsetzen. In einem volatilen und unsicheren Markt würden Banken wahrscheinlich mit höheren Refinanzierungskosten konfrontiert sein. Banken, die den Anteil der Einlagenfinanzierung erhöhen würden, könnten aufgrund des Wettbewerbs ebenfalls unter steigenden Zinskosten leiden. (Ausgabe 2 vom 18.01.2023) (18.01.2023/alc/a/a)





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