Covered Bonds-Primärmarkt: Zeitfenster werden genutzt und (noch) mehr Angebot


02.06.22 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nachdem speziell die länger laufenden Neuemissionen am Anfang vergangener Woche nicht mehr ganz so flüssig über die Bühne gingen, legte der Primärmarkt bedingt durch Feier- und Brückentage den Rest der vergangenen Handelswoche eine Atempause ein, so Stefan Rahaus und Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

Am Montag darauf sei der Start in die Handelswoche mit einer frischen EUR-Benchmark der UniCredit Bank gefolgt und am vorgestrigen Dienstag seien mit BAWAG aus Österreich, der Bank of Queensland aus Australien sowie der Royal Bank of Canada drei weitere Emittenten auf ihre Investoren zugegangen.

Der Hypothekenpfandbrief der UniCredit Bank (EUR 500 Mio.; WNG; 5y) habe final bei ms flat gepreist werden können, nachdem der Bond bei einer Guidance von ms +5 Bp area in die Vermarktungsphase gestartet sei. Das Orderbuch habe sich final auf EUR 935 Mio. summiert, was nahezu eine zweifache Überzeichnung angezeigt habe. Ausgehend von einem Fair Value bei ms -2 Bp sei eine Neuemissionsprämie (NIP) von +2 Bp gezahlt worden. Geografisch sei der größte Anteil an der Allokation an Investoren in der DACH-Region (77%) gegangen, gefolgt von den Nordics (9%) und Frankreich (5%). Nach Investorenarten hätten Banks (51%) vor Asset Managers & Fund Managers (29%) sowie Central Banks/OI (20%) dominiert.

Eine EUR-Benchmark (ISIN XS2487770104 / WKN nicht bekannt) über EUR 750 Mio. (7,75y) habe die BAWAG erfolgreich platzieren können. Die Bücher für den im aktuellen Marktumfeld durchaus mit einer langen Laufzeit ausgestatteten Bond hätten bei ms +15 Bp area geöffnet, wobei der finale Reoffer-Spread im Rahmen des Bookbuildings noch um einen Basispunkt habe einengen können. Das Orderbuch habe zuletzt bei EUR 1,1 Mrd. gestanden.

Den nunmehr fünften Bond (ISIN XS2489398185 / WKN nicht bekannt) aus Australien habe ebenfalls am Dienstag die Bank of Queensland emittiert. Das Volumen des CPT Covered Bonds habe bei EUR 600 Mio. gelegen. Der finale Reoffer-Spread von ms +30 Bp habe auf dem Niveau der Guidance gelegen, wobei sich die Bücher auf über EUR 665 Mio. summiert hätten.

Die Royal Bank of Canada vermochte mit ihrem Deal (ISIN XS2488800405 / WKN nicht bekannt) das im laufenden Jahr platzierte Volumen aus Kanada um weitere EUR 1 Mrd. zu erhöhen, so die Analysten der NORD/LB. Nach einer Guidance bei ms +18 Bp sei eine Einengung um zwei Basispunkte auf ms +16 Bp möglich gewesen.

Mit dem jüngsten Pfandbrief der UniCredit Bank verbuchen wir im deutschen EUR-Benchmarksegment für das laufende Jahr nunmehr ein durchaus eindrucksvolles Emissionsvolumen in Höhe von EUR 24,75 Mrd., verteilt auf 24 Bonds, so die Analysten der NORD/LB. Damit liege der Wert deutlich über dem Niveau des Vorjahres (EUR 16,5 Mrd.). Tatsächlich sähen sich die Analysten der NORD/LB vor dem Hintergrund der bisherigen Neuemissionen im gesamten EUR-Benchmarksegment, den anstehenden Fälligkeiten sowie dem stärkeren Fokus vieler Emittenten auf gedeckte Refinanzierung dazu veranlasst, ihre Angebotsprognose abermals nach oben anzupassen. Die Analysten würden nunmehr mit Platzierungen von insgesamt EUR 155 Mrd. für das gesamte Jahr 2022 rechnen.

Die Österreichische Nationalbank (OeNB) habe aufgrund zu lockerer Kreditvergabestandards und steigender Immobilienpreise Risiken für die Finanzstabilität ausgemacht. Im Zuge dessen habe die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) schärfere Regeln für die Kreditvergabe angekündigt, welche mit Wirkung zum 1. Juli 2022 eingeführt würden. Die neuen Regeln sähen u.a. eine maximale Beleihungswertgrenze (LTV-Limit) für Wohnbauhypotheken von 90%, eine maximale Schuldendienstquote von 40% des Einkommens der Kreditnehmer sowie eine maximale Kreditlaufzeit von 35 Jahren vor. Allerdings würden die neuen Standards erlauben, dass bis zu 20% der Neukredite die Beleihungsgrenze übersteigen dürfe, 10% die maximale Schuldendienstquote und 5% die Laufzeitbegrenzung überschreiten dürften, solange nicht mehr als 20% der neuen Darlehen insgesamt eines der drei Limite breche.

Laut den Risikoexperten von Moody's sei zu erwarten, dass die neuen Vorgaben die Kreditqualität neuer Immobilienkredite verbessern und die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen verringern würden, was entsprechend auch auf Covered Bonds in Österreich ausstrahlen sollte. Moody's sehe durch die neue kreditnehmerbezogene makroprudenzielle Hypothekarkreditpolitik einen Angleich Österreichs an jene europäischen Länder, die eher strenge Anforderungen an die Vergabe von Wohnbaukrediten stellen würden.

Laut Moody's seien die neuen Regeln in Österreich strenger als die aus Deutschland, Italien, Spanien oder Großbritannien. Mit Blick auf Covered Bonds sei an dieser Stelle anzumerken, dass das Österreichische Pfandbriefgesetz (PfandBG) die Beleihungswertgrenze (LTV-Limit) für Eigenheimfinanzierungen bereits bei 80% ziehe (könne je Institut durch Satzung auch darunter festgelegt werden) und das deutsche Pfandbriefgesetz den Beleihungsauslauf auf 60% limitiere.

Die Aussagen von Moody's würden sich nach Erachten der Analysten der NORD/LB damit eher auf die generellen Anforderungen an die Kreditvergabe und auf die Verringerung von Risiken bei Wohnimmobilienkrediten im Allgemeinen beziehen.

Die Ratingagentur Scope konstatiere dagegen in einer Stellungnahme vom 13. Mai 2022, dass die neuen Regeln die Finanzstabilität nicht sichern würden, solange Zinsänderungsrisiken davon ausgeschlossen seien. Traditionell werde in Österreich ein hoher Anteil der Immobiliendarlehen variabel verzinst, mit entsprechenden Gefahren bei zukünftig stark steigenden kurzfristigen Zinsen. Diese möglichen Entwicklungen und entsprechenden Gefahren für die Finanzstabilität sehe Scope mit dem aktuellen Instrumentarium nicht hinreichend berücksichtigt. Ferner würden die Ausnahmen von den neuen Regeln von bis zu 20% des Neugeschäftsvolumens als zu generös bezeichnet.

Die rasant steigenden Teuerungsraten würden auch vor der CEE-Region keineswegs halt machen. Mit Blick auf die Implikationen für Covered Bonds der Region hätten sich die Risikoexperten von Moody's zuletzt aber eher entspannt gegeben. Zwar sei die Anfälligkeit für Deckungsstöcke in Jurisdiktion wie Rumänien, Polen, Slowakei und Tschechien hier relativ gesehen höher. Allerdings seien die Risiken insgesamt begrenzt. Steigende Zinsen würden es außerdem ermöglichen, aufseiten der Banken der Region eine kompensatorische Wirkung im Hinblick auf höhere Kosten zu entfalten. Als Merkmale der Kreditqualität hebe Moody's außerdem die vergleichsweise niedrige Verschuldung der Haushalte und den hohen Anteil selbstgenutzten Wohneigentums hervor. Im EUR-Benchmarksegment seien derzeit Emittenten aus Tschechien, Polen sowie der Slowakei vertreten. Die Analysten der NORD/LB würden hier durchaus mit einem Zuwachs in den kommenden Jahren rechnen, wobei insbesondere für kleinere Institute ein erfolgreiches Debüt im EUR-Subbenchmarksegment nicht ausschließen würden. (Ausgabe 19 vom 01.06.2022) (02.06.2022/alc/a/a)






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