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Bunds: Schlechteste Performance der letzten 30 Jahre


23.06.22 09:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Bunds haben sich in den letzten Tagen richtungslos gezeigt und liegen im zehnjährigen Bereich bei 1,62%, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank im aktuellen "Wochenbarometer".

Die T-Notes mit der gleichen Laufzeit hätten derzeit bei 3,16% rentiert. Die Marktteilnehmer seien sich unschlüssig darüber, wie es weitergehe. Der Rückgang der Ölpreise deute darauf hin, dass die Rezessionsängste wieder zunehmen würden. Das gleiche gelte auch für die Aktienmärkte, die immer wieder den Beginn eines Abschwungs widerzuspiegeln schienen. Die Europäische Zentralbank sei bemüht, das Rätselraten über ihren Kurs nicht ausufern zu lassen. So habe der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die "Forward Guidance" von Präsidentin Christine Lagarde wiederholt, dass am 21. Juli ein Zinsschritt von 25 BP und auf der September-Sitzung ein größerer Schritt zu erwarten sei. Ganz offensichtlich sei man nicht gewillt, das Instrument der Forward Guidance zu entwerten, in dem man - wie bei der FED geschehen - entgegen den Ankündigungen den Leitzins bereits im Juli in einem höheren Ausmaß erhöhe.

Feststellen könne man auf jeden Fall, dass die Performance langfristiger Bunds (10 Jahre) im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren mit Abstand das schlechteste erste Halbjahr aufweist. Der plötzliche Zinsanstieg gehe einher mit einem Rückgang der Kurse. Das Gefährliche an dieser Entwicklung sei, dass die massiven Kursverluste viele Marktteilnehmer kalt erwischt haben dürfte und teilweise Kurzschlussreaktionen auslösen könnten, die wiederum weiteren Schaden anrichten würden.

Ernüchternde Mai-Konjunkturdaten kämen derweil aus China. Während die Exporte die Verluste im April wieder überkompensiert hätten, würden Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze noch kräftig hinterherhinken. Nur ein ungewöhnlicher Sprung im Juni könnte eine Schrumpfung in diesen Sektoren für das Gesamtquartal noch verhindern, so dass die Hamburg Commercial Bank insgesamt von einer Stagnation oder sogar einer Schrumpfung des chinesischen BIP im laufenden Quartal ausgehe. Dass Lockdowns jederzeit wieder erlassen werden könnten, sei an dieser Stelle schon häufiger angemerkt worden.

Bei seinem halbjährlichen Bericht vor dem Banken-Senatsausschuss (22.06.) habe Notenbankpräsident Jerome Powell im Wesentlichen seine Aussagen von der FED-Sitzung der vergangenen Woche wiederholt: Die Wirtschaft werde als ausreichend robust angesehen, um weitere Zinserhöhungen zu verkraften, aber die Risiken in Form von nicht beeinflussbaren Faktoren seien gestiegen. Man wolle natürlich keine Rezession provozieren, aber es sei wichtig die Inflation wieder in den Griff zu bekommen. Man werde mit den Zinserhöhungen erst aufhören, wenn klar sei, dass die Teuerungsrate sich wieder in einem ausreichenden Maße zurückbilde. Heute werde sich Powell den Fragen des Ausschusses des Abgeordnetenhauses für Finanzdienstleistungen stellen.
Am kommenden Sonntag (26.06.) beginne der dreitägige G7-Gipfel auf Schloss Elmau unter der Führung von Deutschland. Dabei werde es unter anderem um die Frage gehen, ob die G7-Staaten ein Nachfragekartell für Erdöl aus Russland bilden könnten, was mit einer Preisobergrenze für russisches Öl verbunden wäre. Ein derartiger Schritt könnte einen dämpfenden Einfluss auf die Ölpreise und somit auf die Inflation haben.

In den kommenden Tagen sei auf die PMI-Einkaufsmanager zu achten (23.06., Schnellschätzungen unter anderem für die Eurozone und 30.06. der NBS-PMI für China). Noch mehr Aufmerksamkeit würden die Inflationsdaten auf sich lenken. Bevor am 01.07. die Schnellschätzung für die Inflation der Eurozone veröffentlicht werde, würden die Teuerungsdaten aus Deutschland und Spanien (29.06.) sowie Frankreich (30.06.) bereits eine relativ genaue Idee geben können, ob die Inflationsrate erneut gestiegen sei oder ob der Inflationsdruck allmählich abnehme. Angesichts des massiven Anstiegs der Produzentenpreise um 28% (Frankreich) bzw. 34% (Deutschland) und in Spanien gar 45% sei mit einer weiteren Überwälzung der steigenden Einkaufspreise zu rechnen, so dass die Teuerungsrate durchaus noch mal steigen könnte - zumal der Tankrabatt sich durch verschiedene Faktoren in Deutschland nicht inflationssenkend bemerkbar machen dürfte. (23.06.2022/alc/a/a)