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Der Bilanzabbau der FED bleibt die Achillesferse der Finanzmärkte


07.09.22 11:24
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - In den USA kam es in den vergangenen beiden Quartalen jeweils zu negativem Wirtschaftswachstum, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Damit sei formal die Definition einer technischen Rezession erfüllt worden. Allerdings würden sich der starke US-Arbeitsmarkt, stabile Frühindikatoren und die Unternehmensgewinne bisher in keiner Art und Weise wie in einer klassischen Rezession verhalten. Das Schrumpfen der Wirtschaft sei deshalb teilweise auf Basiseffekte nach dem explosiven Wachstum im letzten Jahr zurückzuführen.

Und auch in Europa hätten sich die Wachstumsraten im zweiten Quartal im positiven Bereich stabilisiert. Damit sei neben fallenden Inflationserwartungen und noch genügender Liquidität im System ein wichtiger Treiber für eine Fortsetzung der kürzlichen Erholung an den Aktien- und Kreditmärkten gegeben. Allerdings hänge die weitere Entwicklung jetzt stark von der Geldpolitik der US-Notenbank ab. Die genannten positiven Faktoren würden zunehmend vom Liquiditätsentzug durch die FED unterhöhlt.

Es finde somit ein zeitlich schwierig einzuschätzendes Tauziehen statt. Spätestens ab Oktober dürften aber die negativen Kräfte der Geldpolitik die Oberhand gewinnen, falls sich keine nennenswerte Änderung der US-Geldpolitik ergebe. Das Rezessionsrisiko steige ab dann.

Die US-Zinskurve reflektiere das aktuelle Umfeld: Die Differenz 10-Jahre/3-Monate sei noch leicht steil und weise damit auf tiefe Rezessionsrisiken hin. 10-Jahre/2-Jahre sei dagegen invers und belege abnehmende Inflationsgefahren sowie eine zu restriktive Geldpolitik. Die langfristigen Zinsen dürften vorerst weiter moderat steigen. Das Aufwärtspotenzial sei aber wegen dem deflationären Impuls der US-Geldpolitik stark eingeschränkt. In Europa sei der Zinsdruck aufgrund einer höheren Inflationsdynamik stärker.

Der Bilanzverlauf der US-Notenbank zeige, dass seit dem Allzeithöchst im April dieses Jahres (8.965 Milliarden USD) der aktuelle Wert rund 116 Milliarden tiefer liege. Die FED sei damit verhältnismäßig gut auf dem im Juni kommunizierten Zielkurs (Reduktion von 50 Milliarden im Juni und dann schrittweise monatliche Erhöhung bis auf 95 Milliarden ab Oktober). Hoffnungen auf eine Pause des Bilanzabbaus aufgrund der sich invertierenden US-Zinskurve hätten sich bisher nicht erfüllt. Diese Reduktion entstehe durch Verkäufe von Staatsanleihenpositionen, welche die FED im Rahmen der QE-Programme aufgekauft habe und entspreche einem direkten Entzug der zuvor zugeführten Liquidität im Finanzsystem. Insgesamt sei die FED damit außerordentlich restriktiv.

Der Bilanzabbau im letzten Straffungszyklus von 2017 bis 2019 sei wesentlich moderater gewesen (15 bis 40 Milliarden pro Monat) und sei nach relativ kurzer Zeit wieder abgebrochen worden, da die Zinskurve damals ebenfalls invertiert habe. Es entstünden damit spätestens ab Oktober große Gefahren für die Finanzmärkte, nicht nur in den USA. Der Einfluss des Bilanzabbaus werde nach Ansicht der Experten an den Märkten stark unterschätzt. (07.09.2022/alc/a/a)