Bankanleihen: Ist jetzt die Zeit für das Comeback?


19.01.23 10:39
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Bankanleihen sind definitiv eine Überlegung wert, findet Richard Woolnough, Fondsmanager des M&G (Lux) Optimal Income Fund (ISIN LU1670724373/ WKN A2JRC8).

Momentan würden die Papiere trotz guter Fundamentaldaten der Branche und einem Umfeld, das auf steigende Renditen hoffen lasse, mit Abschlägen und Neuemissionsprämien gehandelt. Jetzt könnte also möglicherweise für Anleger der geeignete Zeitpunkt zum Einstieg sein:

Der Bankensektor habe Anlass, die Zukunft positiv zu betrachten. Die gegenwärtigen höheren Zinssätze sollten sich positiv auf das Bankwesen auswirken. Mit Zunahme der Spanne zwischen Kredit- und Einlagenzinsen würden sich auch die Gewinne der Kreditinstitute vergrößern.

Bei anhaltender Beliebtheit des digitalen Banking bei den Kunden könnten die Banken zudem die Zahl ihrer physischen Filialen künftig weiter reduzieren. Dadurch dürften die Fixkosten der Banken deutlich sinken und ihre Rentabilität steigen.

Positiv könnte sich weiter auf die Bankanleihen auswirken, dass sie nicht von der quantitativen Straffung (Quantitative Tightening, QT) der Geldpolitik betroffen sein dürften. Im Rahmen ihrer Programme zur quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE) hätten die Zentralbanken große Mengen an Unternehmensanleihen gekauft, insbesondere in Europa. Mit Aufgabe der Politik der QE würden die Zentralbanken versuchen, ihre Finanzanlagen wieder auf dem Markt zu veräußern, um ihre Bilanzen zu verkürzen. Durch die QT könnten diese Anleihen unter Verkaufsdruck geraten. Bankanleihen seien jedoch nicht in den QE-Programmen enthalten gewesen und dürften daher von QT-Maßnahmen nicht direkt betroffen sein.

Allgemein seien die Banken in den U.S.A. und Europa in einem grundlegend besseren Zustand als 2008.

US-Banken seien äußerst liquide und gut kapitalisiert. Die Einlagen würden nunmehr über 90% der Verbindlichkeiten ausmachen, verglichen mit etwa 75% vor der Finanzkrise. Die Gesamtaktiva bestünden zu rund 35% aus hochliquiden Positionen, also Bargeld, Staatsanleihen und öffentliche Anleihen. Vor 2008 habe der Anteil nur bei 15% bis 20% gelegen.

Ähnlich verhalte es sich in Europa, wo die Qualität der Aktiva und die Standards für die Kreditvergabe in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen hätten. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank seien die Quoten notleidender Kredite von 8% im Jahr 2015 auf heute weniger als 2% gesunken. Die CET1-Quoten (Common Equity Tier 1) lägen heute zwischen 12% und 14%. Dies liege deutlich über den Mindestanforderungen von Basel III in Höhe von 7% und deute darauf hin, dass die europäischen Banken über einen beträchtlichen Puffer verfügen würden, um finanziellem Stress standzuhalten und ihre Solvenz zu erhalten.

So aufgestellt, sollten die Bankinstitute auch einem rezessiven Umfeld standhalten können. Die Ausgangslage sei besser als im Jahr 2008: Die Wirtschaft insgesamt sei weit weniger fremdfinanziert und die Bilanzen der Unternehmen und privaten Haushalte seien in ordentlicher Verfassung. Die Zahlungsausfälle bei Unternehmen dürften das Niveau, das die Märkte derzeit schon einpreisen würden, gar nicht erreichen.

Die Investoren in Unternehmensanleihen würden aktuell für die Übernahme der Kreditrisiken gut bezahlt. Dies gelte insbesondere für den Bankensektor. So böten europäische Finanzwerte über alle Laufzeiten hinweg einen nicht unerheblichen Spread gegenüber Industriewerten.

In den Jahren 2020 und 2021 hätten die Unternehmen das sehr niedrige Zinsumfeld genutzt, um einen bedeutenden Teil ihrer Schulden zu refinanzieren. Infolgedessen hätten die Unternehmen über reichlich Liquidität verfügt. Als die Kreditkosten 2022 angestiegen seien, hätten sie daher nicht in größerem Umfang neue Schulden aufnehmen müssen. Die Folge sei ein deutlicher Rückgang bei den Anleiheemissionen in den meisten Branchen gewesen.

Banken hätten dagegen 2022 weiterhin in großem Umfang Schuldtitel emittiert. Sie seien im Allgemeinen auf einen regelmäßigen Kapitalfluss angewiesen, sowohl für ihren operativen Bedarf als auch zur Erfüllung verschiedener bilanzieller Anforderungen. Der Markt habe daher eine relativ große Menge an Anleiheemissionen im Bankensektor aufnehmen müssen, was zu einer attraktiven Neuemissionsprämie geführt habe.

Mit Blick auf die Kapitalstruktur scheinen nachrangige Bankanleihen im Vergleich zu vorrangigen generell sehr attraktiv. Nachrangig bedeute es, dass die Anleihegläubiger im Falle eines Ausfalls erst nach der vollständigen Befriedigung der Gläubiger vorrangiger Anleihen ausbezahlt würden. Die Investoren in nachrangige Anleihen würden für das größere Risiko, das sie tragen würden, allerdings in der Regel durch höhere Zuflüsse an Einkünften entschädigt.

Es gebe aber zwischen den nachrangigen Anleihen beachtenswerte Unterschiede. So habe die Spread-Differenz zwischen der nachrangigen Kategorie der Lower-Tier-2-Anleihen (LT2) und der der vorrangigen Anleihen inzwischen die Höchststände zu Zeiten der COVID-Krise erreicht, was einen günstigen relativen Wert vermuten lasse. Eine andere Kategorie von nachrangigen Schuldtiteln - Additional-Tier-1-Anleihen (AT1) - erscheine auf relativer Basis dagegen nicht besonders vorteilhaft, da die Spread-Differenzen gegenüber vorrangigen Anleihen noch weit von ihren COVID-Werten entfernt seien.

Werte größerer nationaler Banken mit soliden Bilanzen und einer dominanten Marktposition könnten sich als robuster erweisen. Weitere wichtige Eigenschaften seien starke Kapitalpuffer, diversifizierte Finanzierungsquellen und eine gute Erfolgsbilanz beim Risikomanagement während des gesamten Konjunkturzyklus. In Anbetracht der gestiegenen Lebenshaltungskosten könnten generell Banken, die weniger stark bei Verbrauchern mit geringem Einkommen engagiert seien, vorzuziehen sein. (19.01.2023/alc/a/a)





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