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Bank of Japan: Die lockere Geldpolitik erzwingt Interventionen am Devisenmarkt


22.09.22 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat heute einstimmig beschlossen, keine Anpassungen an ihrer Zinspolitik vorzunehmen, berichten die Analysten der Nord LB.

Der traditionelle Leitzins und die Zielrendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren würden somit regelrecht auf dem bisherigen Niveau festgezurrt. Beide Nachrichten würden eigentlich keine große Überraschung darstellen. Damit befinde sich die Notenbank in Tokio noch immer auf einem extrem expansiven geldpolitischen Kurs. Die Bank of Japan zementiere folglich ihre Außenseiterrolle unter den international bedeutenden Zentralbanken. Andernorts werde in der Tat eher über Wege nachgedacht, wie man noch zügiger Maßnahmen ergreifen könnte, um die heimische Geldpolitik zu normalisieren. Dieses Umfeld sei natürlich nicht stützend für den Yen. Nach der Notenbanksitzung habe sich somit ein weiterer spürbarer Druck auf den die Währung Japans aufgebaut. Mit Blick auf den US-Dollar sei zwischenzeitlich sogar die psychologisch wichtige Marke von 145 JPY pro USD in den Fokus gerückt. Diese Bewegung habe dann allerdings Devisenmarktinterventionen Japans zur Folge gehabt, welche den Yen schließlich in Richtung 142 JPY pro USD gedrückt hätten. Damit dürfte nun zumindest die "Schmerzgrenze" der Regierung bekannt sein.

Im japanischen Finanzministerium habe man sich schon seit geraumer Zeit größere Sorgen bezüglich der Schwäche des Yen gemacht. Die dortigen Entscheidungsträger scheinen zu glauben, dass der Abwertungsdruck auf die Währung des Landes der japanischen Wirtschaft über eine Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie kaum mehr helfen kann, berichten die Analysten der Nord LB. Man sehe offenkundig eher die Gefahr, dass ein zu schwacher Yen den Konsum der privaten Haushalte belasten könnte. Diese Auffassung dürfte der Hauptgrund für die eben erfolgte FX-Intervention sein.

Der Zentralbankchef Haruhiko Kuroda habe mit seinen Aussagen anlässlich der Pressekonferenz im Anschluss an die Notenbanksitzung den Druck auf den Yen zunächst sogar noch erhöht. So habe er klar betont, dass die Bank of Japan vorerst keine Zinsanhebungen planen würde. Kuroda habe zudem explizit die Notwendigkeit thematisiert, die Wirtschaft des Landes auch weiterhin mit einer lockeren Ausrichtung der japanischen Geldpolitik zu unterstützen. Seiner Auffassung nach würden sich die Erfolge dieses Vorgehens der Notenbank bereits zeigen. In der Tat diagnostiziere er eine zunehmende Besserung der ökonomischen Lage im Land der aufgehenden Sonne. Die Schwäche des Yen führe Kuroda vor allem auf einseitige Aktivitäten von Spekulanten zurück.

Die Analysten der Nord LB glauben weiterhin, dass es in der Amtszeit von Haruhiko Kuroda wahrscheinlich wirklich keine Anhebungen des traditionellen japanischen Leitzinses mehr geben wird. Seine aktuellen Anmerkungen würden sehr klar in diese Richtung deuten. Druck aus dem Finanzministerium könnte in den kommenden Monaten aber zumindest dazu führen, dass die Notenbank gewisse Anpassungen an ihrem Prozess der Yield-Curve-Control vornehmen müsse, um den aktuellen Abwertungstendenzen beim Yen zu begegnen. Die japanische Geldpolitik bleibe somit ein sehr spannendes Thema - auch wenn ein lediglich flüchtiger Blick nach Tokio diese Feststellung zunächst eher nicht stützen möge.

Die Bank of Japan habe erwartungsgemäß abermals keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen. Die Äußerungen Haruhiko Kurodas hätten nach der Verkündung der Zinsentscheidung sogar noch einen weiteren Druck auf den Yen ausgeübt. Damit sei die psychologisch wichtige Marke von 145 JPY pro USD in den Fokus gerückt. Diese Bewegung beim Wechselkurs habe dann zu japanischen Devisenmarktinterventionen geführt. Damit kenne man nun mit Blick auf die Yen-Schwäche immerhin schon die Schmerzgrenze der Regierung in Tokio. (22.09.2022/alc/a/a)