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Bank of Japan dürfte einen Kurswechsel einleiten


25.01.23 11:30
Ninety One

London (www.anleihencheck.de) - Für Kapitalmärkte und Anleger war 2022 ein hartes Jahr, so Iain Cunningham und Alex Holroyd-Jones, Portfoliomanager bei Ninety One.

Sowohl Aktien als auch Anleihen hätten stark nachgegeben, sodass ein passives globales Mischportfolio aus 60% Aktien und 40% Anleihen mit einem Verlust von -18,1% in US-Dollar die schlechteste Jahresbilanz seit 2008 verzeichnet habe. Dafür sei eine Kombination mehrerer Faktoren verantwortlich gewesen: das relativ hohe Bewertungsniveau, auf dem die Märkte in das Jahr gestartet seien, der Kampf der großen Zentralbanken gegen die Inflation und das rezessionäre Umfeld in China. Wie werde es 2023 weitergehen?

In diesem Jahr dürften die Industrieländer die Auswirkungen des letztjährigen Straffungskurses der Zentralbanken zu spüren bekommen, wenn sich die höheren Zinsen mit Verzögerung in den Wachstumsraten und Unternehmensgewinnen niederschlagen würden. Dass die restriktivere Geldpolitik beginne, ihre volle Wirkung zu entfalten, zeige sich unter anderem im Geldmengenwachstum, das in vielen Industrieländern in diesem Jahr negativ werden dürfte. Solange die Wirtschaft nicht spürbar schwächer geworden sei - was eine Voraussetzung für eine ausreichende Abschwächung am Arbeitsmarkt und einen sinkenden Inflationsdruck sein dürfte -, würden die Experten jedoch nicht mit einer Lockerung der Geldpolitik rechnen. Daher würden sie eine Rezession jetzt für wahrscheinlicher halten.

Wie würden die Kapitalmärkte reagieren? Im vergangenen Monat hätten die Experten erläutert, dass chinesische Aktien von der positiven Wende im chinesischen Regulierungszyklus und der günstigen Dynamik im chinesischen Kreditzyklus profitieren könnten. Im Gegensatz dazu würden die Aktienmärkte der Industrieländer von einem zunehmenden Rezessionsrisiko überschattet, das in den Kursen noch nicht berücksichtigt sei. Der letztjährige Marktausverkauf sei bekanntermaßen auf Bewertungskorrekturen in Reaktion auf die steigenden Zinsen und Anleihenrenditen zurückzuführen gewesen. Von einer Welle negativer Gewinnrevisionen sei dagegen bislang nichts zu sehen. In einer Rezession würden die Unternehmensgewinne in der Regel um 15-20% sinken.

Zu den Gewinnern eines Rezessionsumfelds könnten Staatsanleihen der Industrieländer gehören, die unter der aggressiven Straffung der Zentralbankpolitik besonders gelitten hätten. Das dürfte insbesondere dann der Fall sein, wenn die Inflation, wie die Experten es erwarten würden, im Jahr 2023 rezessionsbedingt nachlassen sollte. Gleichzeitig seien Staatsanleihen zunehmend attraktiv bewertet. Beispielsweise seien die Realzinsen - eine Bewertungsmessgröße - so hoch wie zuletzt vor zwölf Jahren. Das größte Potenzial sähen die Experten bei bonitätsstarken Staatsanleihen von Ländern, deren Wohnungsmärkte und private Haushalte die Auswirkungen der jüngsten Zinserhöhungen bereits zu spüren bekommen würden. Dazu würden Südkorea, Kanada, Australien, Neuseeland und Schweden gehören.

Eine Zentralbank, die sich dem Straffungstrend bisher widersetzt habe, sei die Bank of Japan (BoJ). Japan habe nicht das gleiche Ausmaß an Inflation erlebt, sodass die BoJ als einzige der großen Zentralbanken der Industrieländer an ihrer expansiven Ausrichtung festgehalten habe, anstatt ihre Geldpolitik zu straffen. Im Rahmen ihrer Politik der Zinskurvensteuerung habe die BoJ unbegrenzt Geld gedruckt, um die Rendite 10-jähriger japanischer Staatsanleihen in einer bestimmten Spanne zu halten. Diese Divergenz in der Zentralbankpolitik habe den Yen erheblich geschwächt: Obwohl 2022 eines der schlechtesten Jahre aller Zeiten für die globalen Kapitalmärkte gewesen sei, habe die japanische Währung im Jahresverlauf einen Wertverlust von 14% gegenüber dem US-Dollar und 7% gegenüber dem Euro verzeichnet.

Die Experten von Ninety One halten es jedoch für sehr wahrscheinlich, dass die BoJ schon bald einen Kurswechsel einleiten wird. Japans ultraexpansive Geldpolitik sei darin begründet, dass die Überwindung der Deflation, unter der Japan über Jahrzehnte immer wieder gelitten habe, auf politischer Ebene bisher höchste Priorität gehabt habe. Allerdings seien hier inzwischen erkennbare Fortschritte erzielt worden. So würden sich die Lohnerwartungen aktuell einem Wert nähern, der zuletzt Anfang der 1990er Jahre verzeichnet worden sei. Außerdem habe die BoJ festgestellt, dass die Kosten der lockeren Geldpolitik - immer schlechter funktionierende Anleihenmärkte - größer sein könnten als ihr Nutzen. Schließlich stehe ein Wechsel an der Spitze der Bank an und die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Gouverneurs stehen für eine restriktivere Geldpolitik als der derzeitige Notenbankchef Kuroda. Damit dürfte eine Wende bevorstehen, die den Yen im Jahr 2023 deutlich aufwerten lassen könnte, zumal der geldpolitische Kurswechsel der BoJ mit dem Eintritt anderer Industrieländer in eine Rezession zusammenfallen werde. (25.01.2023/alc/a/a)