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Bank of Japan: Notenbankchef Kuroda setzt den Yen unter weiteren Druck


17.06.22 11:04
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Auch heute hat die Bank of Japan keine Anpassungen an ihrer Zinspolitik vornehmen wollen, berichten die Analysten der NORD/LB.

Der traditionelle Leitzins und die Zielrendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren würden somit auf unverändertem Niveau bleiben - also bei Werten von -0,10% beziehungsweise 0,00%. Mit Blick auf die Letztere dieser beiden für die internationalen Finanzmärkte sehr wichtigen Größen scheine diese Entscheidung für einige Beobachter eine gewisse Überraschung gewesen zu sein. Die Notenbank in Tokio sei zuletzt im Rahmen ihrer Aktivitäten zur "Yield Curve Control" unter einen gewissen Handlungsdruck geraten. Insofern habe es am Markt durchaus Spekulationen über eine mögliche Erhöhung (oder andere Anpassungen) bei der Zielrendite für die Staatsanleihen gegeben. Das Ausbleiben entsprechender Maßnahmen habe nun den Abwertungsdruck auf den Yen wieder erhöht. Gegenüber der US-Währung sei somit folglich die psychologisch wichtige Marke von 135,00 JPY pro USD ins Blickfeld gerückt.

Die Lage an der makroökonomischen Preisfront in Japan erlaube es der Notenbank in Tokio aber zweifellos, an ihrer lockeren Zinspolitik festzuhalten. Zwar scheinen die Inflationserwartungen etwas anzuziehen, die Entwicklungen beim Konsumentenpreisindex präsentierten sich in der jüngeren Vergangenheit aber völlig unproblematisch, so die Analysten der NORD/LB. Die Jahresrate dieser Zeitreihe scheine im Bereich von 2% gut verankert zu sein. Dazu hätten zwar auch staatliche Maßnahmen und andere Verzerrungen beigetragen, die inzwischen fast schon notorische Deflationsphobie der Zentralbanker in Tokio werde aber dafür sorgen würden, dass an dieser Stelle auch bei etwas stärkeren kurzfristigen Schwankungen der Inflationsrate keine größeren Bedenken aufkommen würden.

Abermals habe keine Einstimmigkeit unter den Entscheidungsträgern der Bank of Japan erzielt werden können. Goushi Kataoka habe erwartungsgemäß wieder einmal eine noch lockerere Ausrichtung der Geldpolitik in Tokio gefordert. Er bleibe aber natürlich ein einsamer Rufer nach mehr geldpolitischer Unterstützung für die Ökonomie des Landes der aufgehenden Sonne. In der Tat würden es die aktuellen Bewegungen am Devisenmarkt inzwischen sogar noch unwahrscheinlicher machen, dass sich weitere hochrangige Offizielle hinter die Forderungen Kataokas stellen würden!

Der Yen sei inzwischen nämlich eindeutig in den Fokus der Bank of Japan gerückt. Das FX-Segment werde im offiziellen Statement zur geldpolitischen Entscheidung der Notenbank erwähnt und der Zentralbankchef Haruhiko Kuroda habe anlässlich der Pressekonferenz im Anschluss an die Notenbanksitzung betont, dass man die Bewegungen am Devisenmarkt genau beobachten würde. Er sehe durchaus mögliche Effekte der Schwankungen im FX-Segment auf die japanische Wirtschaft. Diese sollte sich nach seiner Auffassung grundsätzlich auch weiterhin erholen.

Kuroda habe allerdings das Vorhandensein bedeutender Unsicherheitsfaktoren diagnostiziert. Er habe sich zudem sehr klar zur "Yield Curve Control" durch die Notenbank geäußert. Die im Rahmen dieser Strategie der Notenbank umzusetzenden Maßnahmen könnten den Yen seiner Auffassung nach weiter unter Druck setzen, die Bank of Japan habe aber kein Wechselkursziel. Kuroda habe ein ungewöhnlich klares Bekenntnis zur Verteidigung der Zielrendite für Staatsanleihen durch die Zentralbank abgelegt. Hier habe es jüngst gewisse Turbulenzen gegeben, was die Bank of Japan beispielsweise dazu bewogen habe, auch Papiere mit sehr langen Laufzeiten zu kaufen. Um nicht das Gesicht zu verlieren, werde Kuroda daher nun wohl kurzfristig keine Erhöhung der Zielrendite für Staatsanleihen unterstützen. Mittelfristig könne sich an dieser Stelle aber schon noch Handlungsbedarf ergeben. In jedem Fall würden die Anmerkungen des Notenbankchefs nun einen zusätzlichen Druck auf den Yen ausüben.

Die Bank of Japan habe abermals keine Anpassungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen. Haruhiko Kuroda sei zudem mit ungewöhnlich klaren Worten Spekulationen über eine mögliche Anhebung der Zielrendite für Staatsanleihen entgegengetreten. Diese unmissverständlichen Signale des Notenbankchefs hätten dem Yen natürlich nicht geholfen. (17.06.2022/alc/a/a)