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Bank of England setzt Zinserhöhungskurs fort


09.09.22 15:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England wird weiter die Zinsen anheben, im September vermutlich um 50 Bp, so die Analysten der Helaba.

Das Dilemma zwischen hoher Inflation und schwachen Wachstums löse sich aber nicht so schnell auf.

Die Queen sei tot. Auch wirtschaftlich seien es keine leichten Tage für das Vereinigte Königreich. Die Inflation sei bereits in den zweistelligen Bereich geklettert. Das Wachstum sei bislang zwar noch in Ordnung gewesen, eine Schrumpfung im Winterhalbjahr sei jedoch absehbar. Vor diesem Dilemma stehe die Bank of England. Einerseits schienen angesichts der Preisentwicklung massive Zinserhöhungen alternativlos, zumal sogar die Kernteuerung, also ohne Energie und Nahrungsmittel, über 6% liege. Andererseits breche die Nachfrage aufgrund des Kaufkraftentzugs schon fast von alleine ein, selbst wenn der Arbeitsmarkt noch sehr robust sei. Bei den anstehenden Zahlen für August sei noch kein neuer großer Schub zu erwarten. Jedoch sei für den Oktober wegen der Anhebung der Energiepreise ein Preisschock angekündigt gewesen, der die Gesamtinflation auf mehr als 13% erhöhen würde. 2023 wären sogar weitere Anhebungen der Strom- und Gaspreise zu befürchten.

Nun gebe es allerdings eine zusätzliche Unsicherheitskomponente: die Politik. Die frisch ernannte Premierministerin Truss habe als eine der ersten Maßnahmen ein Paket zur Minderung der Energiekosten angekündigt. Die Energiekosten pro Haushalt sollten gedeckelt werden, auf 2.500 Pfund jährlich bis 2024. Eine Preisobergrenze würde den Inflationsanstieg mindern. Umgekehrt könnten die großen staatlichen Unterstützungen die Teuerung antreiben. Die Details stünden noch aus, erst recht die Zustimmung des Parlaments. Das Paket könnte - in Abhängigkeit vom Gaspreis - 150 Mrd. Pfund kosten, gewiss keine Kleinigkeit.

Die Bank of England habe schon frühzeitig auf die konjunkturellen Schwierigkeiten hingewiesen. Zumindest das monatliche Bruttoinlandsprodukt für den Juli werde wohl recht gut ausfallen - als Gegenbewegung auf die Thronfeierlichkeiten. Daher dürfte die Notenbank im internationalen Vergleich eher vorsichtig agieren und auf der kommenden Sitzung ihren Leitzins erneut um 50 Basispunkte auf 2,25% anheben - also weniger als die FED und sogar die EZB! Dennoch würden weitere Schritte folgen. Die Leitzinsen würden noch auf zumindest 3% steigen. Die an den Geldmärkten teilweise gehandelten Zinserwartungen von mehr als 4% könnten aber überzogen sein, denn die Konjunktur werde schon vorher spürbar nachgeben. Die nächsten Monate in Großbritannien würden nicht einfach werden. Es lebe der König! (09.09.2022/alc/a/a)