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Bank of England: Sturm vor der Ruhe statt Ruhe vor dem Sturm


03.11.22 13:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat eine weitere Leitzinsanhebung verkündet, so die Analysten der Nord LB.

Die Bank Rate - der im Vereinigten Königreich maßgebliche Leitzins - sei um 75bp erhöht worden. Damit notiere diese Zeitriehe nun immerhin schon bei 3,00%. Diese Entscheidung der Notenbank stelle keine große Überraschung dar. Aufgrund der jüngsten politischen Turbulenzen, welche die britische Währung zwischenzeitlich unter einen signifikanten Abwertungsdruck gesetzt hätten, seien an den Märkten für eine Weile sogar Spekulationen über noch größere Zinsschritte nach oben aufgekommen. Mit dem Wechsel der Bewohner der Downing Street Nr. 10 (und Nr. 11) seien diese Überlegungen dann aber auch wieder schnell in den Hintergrund getreten.

In der Tat scheine es zuletzt sogar einige Beobachter gegeben zu haben, die am aktuellen Rand aufgrund der sich abzeichnenden Schwäche der britischen Wirtschaft eher auf eine Zinsanhebung um nur 50bp gesetzt hätten. Die Notenbank in London sehe dieses Problem auch - und erwarte aufgrund der Energiepreisentwicklung und der Veränderungen der Finanzierungskonditionen in der Tat eine Rezession. Die Inflationsentwicklung habe aber einen großen Handlungsdruck bei der Bank of England ausgelöst. Klarere Entspannungstendenzen an der makroökonomischen Preisfront würden die Notenbanker erst ab dem Jahresstart 2023 sehen.

Abermals habe im Monetary Policy Committee keine Einstimmigkeit erzielt werden können. Heute habe sich sogar ein recht komplexes Abstimmungsverhalten gezeigt. Mit Swati Dhingra und Silvana Tenreyro hätten sich zwei Mitglieder dieses Gremiums vorsichtigere Zinsschritt ausgesprochen. Diese Nachricht sei keine wirkliche Überraschung. Tenreyro habe sogar für eine Anhebung der Bank Rate um lediglich 25bp votiert.

Ganz offensichtlich würden sich einige Notenbanker größere Sorgen um die Situation der britischen Wirtschaft machen. So sehe man innerhalb der Zentralbank insbesondere einen dämpfenden Effekt der restriktiveren Geldpolitik auf den Immobilienmarkt des Landes, was noch zu einer Herausforderung werden könnte. Jonathan Cunliffe habe beispielsweise jüngst darauf verwiesen, dass Leitzinsen die Hauspreise würden fallen lassen. Kurzfristig möge dieser Zusammenhang unproblematisch sein, mittel- und längerfristig könnten an dieser Stelle aber schon Schwierigkeiten drohen.

Insofern würden die Notenbanker in London perspektivisch wohl noch genauer auf die Immobilienpreise achten. Folglich sollten die Finanzmärkte nun die Ergebnisse des RICS Housing Market Survey genau im Auge behalten. Die Daten, die im Rahmen dieser Umfrage erhoben würden, könnten nämlich recht verlässlich bei der Prognose der Hauspreise im Vereinigten Königreich helfen.

Diese Überlegungen und das aktuelle Abstimmungsverhalten im Monetary Policy Committee würden klar zeigen, dass die britischen Notenbanker in der Zukunft deutlich vorsichtiger bei der weiteren Neuausrichtung der Geldpolitik der Bank of England agieren würden. Natürlich werde es konkret gesprochen auf die Entwicklung der weiteren Wirtschaftsdaten ankommen - aber ganz grundsätzlich sei nun in London mit einer deutlich zögerlicheren Haltung der Notenbanker zu rechnen.

Fazit: Die Bank of England habe am aktuellen Rand eine Leitzinsanhebung um 75bp beschlossen. Diese Nachricht sei keine große Überraschung. Man folge also dem Motto "Sturm vor der Ruhe statt Ruhe vor dem Sturm". Klar sei nun aber auch, dass die sich abzeichnende Schwäche der britischen Wirtschaft zu mehr Vorsicht bei den Notenbankern in London führen werde. In diese Richtung deute auch das aktuelle Abstimmungsverhalten der Entscheidungsträger der Bank of England. Es habe erwartungsgemäß zwei Gegenstimmen gegeben - und sogar ein Votum für eine Leitzinsanhebung um lediglich 25bp. (03.11.2022/alc/a/a)