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Bank of England: Die Notenbanker an der Themse üben sich in britischer Zurückhaltung


16.06.22 16:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Heute hat das Monetary Policy Committee der Bank of England erwartungsgemäß nur einen kleinen Schritt hin zur weiteren Normalisierung der Geldpolitik im Vereinigten Königreich machen wollen, so die Analysten der Nord LB.

Angesichts der Dynamik, mit der einige andere Notenbanken inzwischen an der Zinsschraube drehen würden, könne diese aktuelle geldpolitische Maßnahme der Bank of England wohl sogar als ein lediglich vorsichtig offensives Vorgehen der Notenbanker in London charakterisiert werden. Die Zentralbank an der Themse habe die Abkehr von der ultraexpansiven Ausrichtung ihrer Geldpolitik allerdings schon frühzeitiger eingeleitet. Diese Tatsache könnte es der Notenbank am aktuellen Rand deutlich einfacher gemacht haben, zumindest zunächst relativ zögerlich zu agieren.

In konkreten Zahlen ausgedrückt sei die Bank Rate - der maßgebliche Leitzins im Vereinigten Königreich - "nur" um weitere 25 BP auf nun 1,25% angehoben worden. Diese Entscheidung sei allerdings nicht einstimmig getroffen worden. Mit Michael Saunders, Catherine Mann und Jonathan Haskel habe eine Minderheit von drei Entscheidungsberechtigten im Monetary Policy Committee für eine kräftigere Zinsanhebung um 50 BP gestimmt. Auch diese Nachricht dürfte wohl keine größere Überraschung für die Märkte sein.

Interessant ist, dass inzwischen alle Mitglieder des für die Ausrichtung der Geldpolitik in Britannien verantwortlichen Gremiums den Bedarf für weitere Zinsanhebungen zu sehen scheinen, so die Analysten der Nord LB. Am aktuellen Rand hätten allerdings die jüngst gemeldeten eher unerfreulichen Wirtschaftsdaten ganz offensichtlich für eine nur vorsichtige Leitzinsanhebung gesprochen. Die Notenbank habe aber ihre Inflationsprojektionen angehoben.

Ohne klare Aussichten auf eine nachhaltige Besserung der Lage an der makroökonomischen Preisfront im Vereinigten Königreich könnten die Forderungen einiger lauter Rufer nach Leitzinsanhebungen um 50 BP im Monetary Policy Committee perspektivisch in der Tat durchaus noch mehrheitsfähig werden. Mögliche Verdächtige für diese Rolle seien oben bereits namentlich benannt worden. Neben den Falken seien in diesem Gremium aber natürlich auch Tauben vertreten, denen die in der näheren Zukunft wahrscheinlich zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten aus dem Vereinigten Königreich durchaus in die Karten spielen könnten.

Hier sei nämlich grundsätzlich mit schwächeren Zahlen zu rechnen. Allerdings dürfte sich die Beschäftigungssituation auch weiterhin recht freundlich präsentieren, was den Falken noch gute Argumente liefern könnte. Diese würden dann beispielsweise mögliche Probleme mit einer drohenden Lohn-Preis-Spirale gegebenenfalls unbedingt diskutieren wollen.

Die Bank of England habe die Bank Rate am aktuellen Rand "lediglich" um 25 BP auf nun 1,25% angehoben. Erwartungsgemäß habe es in London jedoch auch Stimmen gegeben, die eine kräftigere Erhöhung der Leitzinsen gefordert hätten. Die Notenbanker an der Themse würden sich bei der Neuausrichtung ihrer geldpolitischen Strategie aber zumindest zunächst in der traditionellen britischen Zurückhaltung üben.

Perspektivisch werde das aktuelle makroökonomische Preisumfeld zwar für einen anhaltenden Handlungsdruck auf das Monetary Policy Committee sorgen, die konjunkturelle Lage im Vereinigten Königreich limitiere die Möglichkeiten der Notenbank in London allerdings wohl schon bereits jetzt dabei, den nahezu gordischen "Inflationsknoten" mit dem scharfen Schwert Leitzinsanhebungen zu durchschlagen. Man sollte beim Blick auf die Geldpolitik in London also perspektivisch eher keinen zu großen Aktivismus erwarten. (16.06.2022/alc/a/a)