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Bank of England: Eine gegen Alle


01.02.24 16:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Soeben hat das Monetary Policy Committee der Bank of England die Ergebnisse ihrer jüngsten Beratung zum Leitzins veröffentlicht, so die Analysten der Nord LB.

Wie vielfach bereits antizipiert worden sei, warte das MPC nicht mit einer Überraschung auf und belasse die Bank Rate bei 5,25%. Spannend sei hier auch immer ein genauerer Blick hinter die (Abstimmungs-)Kulisse.

Auch dieses Mal laute das Abstimmungsergebnis 6 zu 3. Allerdings seien die drei Mitglieder, die für eine Änderung des Zinssatzes votiert hätten, nicht mehr nur im Lager der Falken zu verorten. So spreche sich zum Beispiel Megan Greene nicht mehr für eine Zinserhöhung aus, sondern sehe den Leitzins dort wo er sei als angemessen an und sei nun sozusagen unparteiisch. Für eine Lockerung der Geldpolitik, in bestem Börsensprech gerne auch als taubenhaft bezeichnet, habe nun Swati Dhingra gestimmt. Sie sähe die Bank Rate lieber 25 Basispunkte niedriger angesetzt. Damit nehme Ms. Dhingra nun innerhalb des MPC ihre alte Rolle wieder auf, sich nämlich notorisch für einen expansiveren Kurs einzusetzen.

Die Wirtschaftsprofessorin der London School of Economics habe sich seit ihrer Berufung ins MPC, außer bei den letzten drei Abstimmungen, stets für niedrigere Zinsen ausgesprochen, als die Mehrheit des Komitees letztlich durchgesetzt habe. Jonathan Haskel und Catherine Mann hätten weiterhin eine Erhöhung um 25 Basispunkte befürwortet. Eigentlich müsste das Abstimmungsergebnis deshalb 1 zu 6 zu 2 heißen!

Zuletzt habe es leider noch keine signifikante Änderung der Datenlage gegeben, die einen anderen Schluss nahelegen würde. Zinssenkungen seien aktuell noch in weiter Ferne, vor allem weil die Risiken für steigende Inflation wieder etwas an Bedeutung gewinnen würden. Zwar sei weiterhin davon auszugehen, dass sie sinke; Problematiken in den Lieferketten würden sich langsam, aber sicher wieder ballen. Als wäre die zunehmend angespannte Situation im Roten Meer und am Panamakanal, sowie natürlich auch in anderen Bereichen der Welt, nicht bereits Sorge genug, habe das Vereinigte Königreich noch den "kleinen" Nebenschauplatz namens Brexit. Seit gestern würden nämlich verschärfte Einfuhrbedingungen für landwirtschaftliche Güter gelten und es bahne sich ein Déjà-vu an.

Pikanterweise seien Schwierigkeiten beim Import von ebenjenen Gütern mit ein Grund gewesen, weshalb Großbritannien in gar nicht allzu fernen Zeiten mit einer Inflation von über 10% zu kämpfen gehabt habe. Jüngste Befragungen von im UK ansässigen Unternehmen legen außerdem nahe, dass sie wegen des Brexit mit wirklich unnötig hohen Kosten konfrontiert wurden und werden, so die Analysten der Nord LB. Dies unterminiere sowohl die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf der einen Seite und fördere Preisdruck auf der anderen Seite.

Ein Selbstläufer, wie Marktbeobachter zum Beispiel in Bezug auf EZB oder FED kolportiert hätten, würden Zinssenkungen im Vereinigten Königreich deshalb ganz sicher nicht. Vielleicht täte die dortige Wirtschaft gut daran, wenn sich mehr MPC-Mitglieder auf die Seite von Swati Dhingra schlagen würden, und in Erwägung zögen den Zinssatz etwas zu senken. Gerechtfertigterweise müsste sich aber auch die Inflation in die richtige Richtung bewegen. Wie nachhaltig dies geschehen müsste oder ob man bei konträrer Entwicklung der Wirtschaft bereit wäre auch schon früher den Zins zu senken, stehe wahrlich in den Sternen!

Die Bank of England habe in ihrer jüngsten Zinssitzung entschieden, den Leitzins nicht anzufassen. Dieser laute demnach weiterhin auf 5,25%. Das MPC habe, wie beim letzten Mal, mit sechs Stimmen für ein Beibehalten der Bank Rate gestimmt. Die drei Gegenstimmen seien nun wieder etwas diverser gewesen, wobei nur noch zwei Mitglieder für eine Erhöhung votiert hätten und sich sogar ein Mitglied für eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte ausgesprochen habe. Dieses Ergebnis könnte auch als Analogie dazu dienen, dass die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs nicht wisse wo sie hinmöchte. Einerseits bleibe die Inflation hartnäckig und andererseits würden neue Handelsbestimmungen erwachsend aus dem Brexit in Kraft treten, welche das Zeug hätten die Inflation durchaus wieder zu befeuern. Krisen rund um den Globus, vor allem in den Lieferketten, würden ihr Übriges tun. (01.02.2024/alc/a/a)