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Bank of England: 50 Basispunkte können dem Pfund nicht helfen


04.08.22 15:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat erwartungsgemäß beschlossen, das Leitzinsniveau im Vereinigten Königreich weiter zu erhöhen, so die Analysten der Nord LB.

Die Bank Rate - der maßgebliche Leitzins der Notenbank in London - sei um 50bp auf nun 1,75% angehoben worden. Angesichts des aktuellen Inflationsumfeldes in Britannien stelle diese Entscheidung keine Überraschung dar. Die Notenbanker hätten zweifellos unter großem Handlungsdruck gestanden. Michael Saunders, Catherine Mann und Jonathan Haskel hätten bereits anlässlich der Notenbanksitzung im Juli für eine Zinsanhebung um 50bp votiert und damit damals für keine einstimmige Entscheidung gesorgt.

Auch am aktuellen Rand habe im Monetary Policy Committee wieder keine Einstimmigkeit erzielt werden können. Mit Silvana Tenreyro habe sich eine Entscheidungsträgerin für einen Zinsschritt um lediglich 25bp ausgesprochen. Diese Nachricht dürfte per se wohl keine größere Überraschung für die Märkte sein. Allerdings hätten viele Beobachter wohl mit einer weiteren Gegenstimme gerechnet. Vor allem Jon Cunliffe - unter Umständen aber vielleicht auch Ben Broadbent - hätte man durchaus eine Präferenz für eine vorsichtigere Neuausrichtung der Geldpolitik in London unterstellen können. Dieses Abstimmungsverhalten im Monetary Policy Committee zeige nach Auffassung der Analysten, wie stark Inflationssorgen die britische Zinspolitik momentan beeinflussen würden.

Während alle Mitglieder des für die Ausrichtung der Geldpolitik in Britannien verantwortlichen Gremiums zuletzt noch den Bedarf für weitere Zinsanhebungen gesehen zu haben scheinen, sei sich das Monetary Policy Committee mit Blick auf diese Frage inzwischen weniger sicher. So sei betont worden, dass die zukünftige Geldpolitik in London keinem vorausbestimmten Pfad mehr folgen werde. Die britischen Notenbanker würden bei jeder Zinsentscheidung jeweils auf alle relevanten Fakten blicken - und dann geeignete Maßnahmen ergreifen. Damit gebe es nun keine klare "Forward Gudiance" mehr. Dies sei eindeutig eine Reaktion auf das durch große Unsicherheit gekennzeichneter makroökonomische Umfeld im Vereinigten Königreich.

Einerseits habe die Bank of England nun ihre Inflationsprojektionen weiter angehoben; gleichzeitig würden die Geldpolitiker in London größere Belastungen für die Wirtschaft sehen und inzwischen perspektivisch von einer spürbaren Abkühlung am Arbeitsmarkt ausgehen. In der Tat diagnostiziere man mittlerweile deutlich erhöhte Gefahren für eine sogar recht scharfe Rezession zum Jahreswechsel 2022/2023. Folglich wolle die Notenbank sich in der Zukunft keine Handlungsspielräume verbauen.

Die Anmerkungen des Notenbankchefs Andrew Bailey würden diese Tatsache deutlich illustrieren. So habe er betont, dass nun alle Optionen auf dem Tisch liegen würden. Bailey habe aber auch klargemacht, dass die Bank of England bei Bedarf energisch handeln könne. Seiner Auffassung nach würde eine zu hohe Inflation die Haushalte mit niedrigem Einkommen besonders hart treffen. Daher müsse man gegebenenfalls bereit sein, auch deutlichere Zinsanhebungen vorzunehmen, um zu hohe Inflationsraten zu bekämpfen.

Nicht alle Marktteilnehmer scheinen diese Sichtweise der Dinge zu teilen; nach der Notenbanksitzung seien sie britischen Kapitalmarktzinsen gefallen. Ganz offenkundig mache sich der Rentenmarkt derzeit eher Sorgen um den britischen Konsumenten, der schon unter hohen Energiepreisen leide und daher weitere kräftige Leitzinsanhebungen möglicherweise nicht vertragen könne. Der Devisenmarkt habe offenbar eine ähnliche Einschätzung. So sei das Pfund gegenüber dem US-Dollar unter Druck gekommen; dabei sei die psychologisch wichtige Marke von 1,21 USD pro GBP kurz nach der Verkündung der Zinsanhebung durch die Bank of England unterboten worden.

Fazit: Die Bank of England habe die Leitzinsen erwartungsgemäß um 50bp angehoben. Die Notenbank habe die große Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklungen betont. In diesem Umfeld habe man beschlossen, auf eine klare "Forward Guidance" zu verzichten. Zwar solle bei Bedarf weiter gegen zu hohe Inflationsraten gekämpft werden, die Finanzmärkte würden aber nicht wirklich an dieses Bekenntnis glauben. Direkt nach der Notenbanksitzung sei das Pfund gegenüber dem US-Dollar daher unter die Marke von 1,21 USD pro GBP gefallen. (04.08.2022/alc/a/a)