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Bahnt sich ein weiterer drastischer Zinsschritt an?


21.09.22 11:39
St.Galler Kantonalbank Dtld.

München (www.anleihencheck.de) - In dieser Woche richten die Marktteilnehmer ihren Fokus auf die am Mittwoch stattfindende Sitzung der US-Notenbank FED und die Frage, ob sich ein drastischer Zinsschritt anbahnt, so Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG.

Die Aussicht auf eine mögliche Zinsanhebung um 100 Basispunkte - statt der erwarteten 75 - rücke dabei in den Vordergrund und erkläre die zunehmende Nervosität an den Märkten.

Mit einer höher als erwarteten Kernrate der Inflation - mit 6,3 statt der 6,0 Prozent - nähere sich die Anlegerstimmung der volkswirtschaftlichen Realität immer stärker an.

Die Aktienmärkte hätten am 13.09.2022 umgehend auf diese Meldung reagiert und einen der schwärzesten Handelstage seit dem Corona-Crash 2020 erlebt. Insbesondere die großen US-Indices hätten hohe Tagesverluste verbucht und seien in Richtung Jahrestief gerutscht. Der Dow Jones habe dabei um knapp 4 Prozent nachgegeben, der S&P 500 um 4,3 Prozent und der NASDAQ 100 sei sogar um 5,5 Prozent ins Minus gerutscht.

Die Politik der Notenbanken und deren Fokus auf die Bekämpfung der Inflationsdynamik seien die Hauptgründe, weshalb es an den Kapitalmärkten auch weiterhin stürmisch bleiben dürfte. Sollte sich die restriktive Politik noch weiter beschleunigen, müssten Anleger auch in nächster Zeit mit weiteren Turbulenzen rechnen. Es bleibe auch abzuwarten, ob nach den expansiven Übertreibungen der letzten Jahre, ein "Wettkampf" der Notenbanken um möglichst restriktive Zinspolitik folge. Während die EZB mit ihren ersten Zinsschritten von 50 und 75 Basispunkten noch weit vom Ziel eines neutralen Zinssatzes entfernt sei, liege bei der FED für Mittwoch sogar eine weitere drastische Erhöhung um bis zu 100 Basispunkte im Rahmen der Möglichkeit.

Und Gold? Mit einem aktuell starken US-Dollar und steigenden Renditen werde Gold zunehmend unattraktiv. Das aktuelle Jahrestief überrasche daher nicht allzu sehr, schließlich werde das Edelmetall mit einer aktuell ansteigenden Realverzinsung weniger stark nachgefragt.

Gewinner des Jahres seien vor allem so genannte Discountstrategien, die als einzige Anlagestrategie mit einem deutlichen Performancevorsprung hätten glänzen können. Während nahezu alle Assetklassen stark negativ notiert hätten, habe mit Discountstrategien ein leicht positives Ergebnis erzielt werden können. Unter der Annahme einer weiterhin hohen Volatilität und eines turbulenten Marktumfelds, würden Discountstrategien auch weiterhin attraktiv bleiben. (21.09.2022/alc/a/a)