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Ausblick Anleihen 2023


04.01.23 10:49
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Prognosen sind ein schwieriges Unterfangen, insbesondere in Zeiten hoher Volatilität. Dennoch scheinen die meisten Schlüsselindikatoren auf eine bevorstehende Rezession hinzudeuten, so Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management.

Betrachten wir die Marktentwicklungen im Jahr 2022 genauer und schauen wir uns an, was uns 2023 in Bezug auf Zinsen, Unternehmensanleihen und Schwellenländer bringen könnte, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management.

ZINSEN

Die Inflation könnte ihren Höhepunkt erreicht haben und zurückgehen, und zwar in erster Linie aufgrund der zugrunde liegenden Preiskomponenten die entweder ihren Höchststand erreicht hätten oder ihn bald hinter sich lassen würden. Die große Frage bleibe allerdings, ob die Lohninflation weiterhin für Zweitrundeneffekte sorge und sich die Inflation hartnäckig über den Zielen der Zentralbank halte.

Es sei an der Zeit, verbleibende untergewichtete Duration zu schließen und in Märkte zu investieren, bei denen man davon ausgehe, dass die Zentralbanken in ihrer Inflationsbekämpfung weiter fortgeschritten seien, oder bei denen eine mehr als ausreichende Straffung eingepreist sei.

Es gebe eine Reihe von Gründen, die darauf hindeuten würden, dass die Inflation strukturell höher ausfallen könnte als die niedrige Inflation kurz vor COVID: u.a. die fortgesetzte Umkehrung der Globalisierung, der schrumpfende Arbeitsmarkt, die Auswirkungen des Klimawandels auf Geschäftsmodelle und Kosten sowie die Auswirkungen der Energiewende auf die Nachfragen nach Qualifikationen und Rohstoffen).

Die unterschiedliche Zusammensetzung könnte zu erheblichen Unterschieden zwischen der US- und der europäischen Inflation führen, da die US-Inflation möglicherweise etwas weniger volatil ausfalle.

Insgesamt seien die Inflationserwartungen derzeit vernünftig eingepreist. Infolgedessen würden inflationsgebundene Anleihen immer noch eine Absicherung gegen künftige Inflationsüberraschungen nach oben bieten.

UNTERNEHMENSANLEIHEN

Die Experten würden attraktive Bewertungen auf breiter Front sehen. Trotz der drohenden Rezession seien die Credit-Spreads sehr attraktiv geworden.

Während die Experten bei Hochzinsanleihen zurückhaltender agieren würden, seien sie bei IG-Titeln übergewichtet und bei Wandelanleihen neutral.

Vor allem bei europäischen Credit-Spreads würden die Experten gute Chancen sehen.

SCHWELLENLÄNDER

Besonders vielversprechend seien derzeit die Schwellenländer. Eine Verlangsamung des globalen Wachstums und die nachlassende Inflation in vielen Ländern seien positiv für die Duration.

Auch die Bewertungen seien attraktiv, insbesondere im Vergleich zu historischen Niveaus. Der komfortable Carry biete einen nützlichen Puffer für die Gesamtrendite.

Die Experten würden glauben, dass die Schwellenländermärkte das Potenzial hätten, im Jahr 2023 ein lohnender Anlageschwerpunkt zu sein. (Ausgabe vom 03.01.2023) (04.01.2023/alc/a/a)