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Anleihen: Zinserhöhungszyklus dürfte sich Ende 2023 verlangsamen


23.01.23 10:15
Bankhaus Ellwanger & Geiger

Stuttgart (www.anleihencheck.de) - Die Experten streiten sich noch darüber, ob das Jahr 2022 den schlimmsten Anleihen-Crash seit dem Zweiten Weltkrieg oder sogar seit über 300 Jahren erlebt hat, so die Analysten vom Bankhaus Ellwanger & Geiger AG.

Die aufgrund des Russland-Ukraine-Krieges massiv gestiegenen Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise hätten für überschießende Inflationsraten gesorgt, auf die die internationalen Zentralbanken mit dem schnellsten und stärksten Zinserhöhungszyklus der letzten Jahrzehnte reagiert hätten. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei innerhalb eines Jahres von -0,30% auf knapp 2,50% gestiegen. Dies habe zu massiven Kurseinbußen für Anleiheinvestoren geführt. Der REXP als Benchmark-Index der Kursentwicklung für deutsche öffentliche Anleihen habe in 2022 unglaubliche 11,87% verloren. Verschiedene Anleihenmarkt-Segmente mit niedrigeren Bonitätseinstufungen hätten sogar ein Minus um 20% oder mehr aufgewiesen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anleihen-Kurse in 2023 von diesem gedrückten Niveau erholen könnten, sei gegeben. Infolge sinkender Inflationsraten würden die Analysten erwarten, dass sich der Zinserhöhungszyklus Ende 2023 verlangsamen werde. Möglicherweise werde er sogar beendet. Zunächst würden die Inflationsraten aber auf einem wesentlich höheren Niveau als im Durchschnitt der letzten Jahre verharren und die Zentralbanken zunächst weiter restriktiv agieren. Interessante Anlagemöglichkeiten würden sich in einem solchen Umfeld sowohl im konservativen Staatsanleihen-Segment als auch bei bonitätsstarken Unternehmensanleihen bzw. ausgewählten Schwellenländern ergeben.

Der Euro dürfte zum US-Dollar aufgrund des sich verringernden Zinsabstandes etwas Boden gutmachen. Die Analysten würden weiter empfehlen, an der konsequenten Diversifikationspolitik auch im Fremdwährungsbereich festzuhalten, da hier Renditevorteile zu erzielen seien. Aufgrund der inversen Zinsstruktur in den wichtigsten Investmentmärkten könnten Investoren mit kürzeren Laufzeiten höhere Erträge erzielen und gleichzeitig mit einer kurzen Duration (=durchschnittliche Restlaufzeit der Anleiheinvestitionen) Risiken minimieren. Die Zentralbanken müsse man jedoch im Auge behalten, denn viele Marktakteure würden noch deren Entschlossenheit unterschätzen, die Inflation endgültig einzudämmen. (Ausgabe Dezember 2022/ Januar 2023) (23.01.2023/alc/a/a)