Anleihen: Notenbanker bremsen weiter


12.02.24 10:09
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wann kommt der erste Zinsschritt nach unten? Wohl nicht so schnell - so der Tenor vergangene Woche, so die Deutsche Börse AG.

Die Renditen hätten daraufhin wieder angezogen. "In den letzten Tagen haben die Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen etwas nachgelassen", berichte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. Hintergrund seien robuste US-Konjunkturdaten und Stellungnahmen diverser FED-Vertreter. "Cleveland-FED-Präsidentin Loretta Mester hält es für einen Fehler, die Zinsen zu früh zu senken." Auch andere Notenbanker hätten keine besondere Eile erkennen lassen. "Notenbankchef Jerome Powell warnte die Märkte am Sonntag im Interview mit CBS davor, auf rasche Zinssenkungen zu setzen", bemerke auch Tim Oechsner von der Steubing AG. Der Job sei noch nicht erledigt.

In der Eurozone sehe es ähnlich aus: EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe sich in einem Interview mit der Financial Times am Dienstag gegen allzu aggressive Markterwartungen hinsichtlich rascher Zinssenkungen ausgesprochen. Die Gründe: Die anhaltende Inflation im Dienstleistungssektor, der robuste Arbeitsmarkt, die spürbare Lockerung der Finanzkonditionen sowie die angespannte Lage im Roten Meer mit Sorgen um unterbrochene Lieferketten.

Die Renditen seien im Wochenvergleich wieder gestiegen: Am Freitagmorgen hätten zehnjährige Bundesanleihen 2,36 Prozent abgeworfen nach 2,17 Prozent vor einer Woche. US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit würden aktuell 4,15 nach 3,85 Prozent bieten.

Sehr gut angenommen worden seien vergangene Woche diverse neue Staatsanleihen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichte. Das gelte etwa für dreißigjährige Anleihen von Belgien mit 3,5 Prozent-Kupon (ISIN BE0000361700 / WKN A3LUL3) und Spanien mit 4 Prozent sowie zehnjährige Norwegen-Anleihen in Kronen mit 3,625 Prozent.

Im Handel mit Unternehmensanleihen würden Nachrichten aus den USA für Unruhe sorgen. "Am US-Immobilienmarkt braut sich etwas zusammen", bemerke Brunner. "Die Angst geht um", formuliere es Rainer Petz von Oddo BHF. Laut Handelsblatt hätten im vierten Quartal 2023 in den USA so viele Büros leer gestanden wie noch nie zuvor. Die Rating-Agentur Moody's habe die Kreditwürdigkeit einer betroffenen US-Regionalbank, der New York Community Bancorp (NYCB), bereits auf Ramschniveau heruntergestuft.

Auch für deutsche Banken habe das Folgen, besonders die Deutsche Pfandbriefbank (Depfa). Die Aktien seien auf ein Rekordtief gesackt, für die Anleihen sei es ebenfalls kräftig nach unten gegangen. Die bei Oddo gehandelte, 2027 fällige Anleihe (ISIN DE000A2DASM5 / WKN A2DASM) mit Kupon von 4,6 Prozent sei von rund 74 Prozent auf 51 Prozent gefallen. Ganz steil abwärts sei es auch für die Depfa-Hybridanleihen mit 8,474 Prozent-Kupon (ISIN XS1808862657 / WKN A2GSLH) gegangen, die nur noch um 35 Prozent gehandelt würden, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Das ist schon ein deutlicher Vertrauensverlust", kommentiere Brunner. Die Depfa selbst spreche von "der größten Immobilienkrise seit 2008". Am Donnerstag habe die Bank versucht, Zweifel an der Finanzlage zu zerstreuen. Der Refinanzierungsbedarf für 2024 sei schon weitgehend gedeckt, habe sie erklärt.

Klassische Unternehmensanleihen würden aber weiter gut ankommen. Sehr beliebt seien Daniel zufolge Bonds mit kurzen oder mittleren Laufzeiten, etwa von VW oder Mercedes. "Ständig gekauft" werde die Anfang 2025 fällige Anleihe (ISIN XS2078696866 / WKN A2R98B) des Leasing-Spezialisten Grenke. Das Unternehmen habe vergangene Woche den Rückzug aus dem Geschäftsfeld Factoring angekündigt, in dieser Woche (05.02-09.02.2024) ein Aktienrückkaufprogramm. Zudem würden Kursrücksetzer bei der Ende Januar emittierten Sixt-Anleihe zum Einstieg genutzt. Eher abgegeben würden Papiere (ISIN DE000SYM7720 / WKN SYM772) des Duft- und Geschmacksstoffanbieters Symrise.

Oechsner sehe rege Nachfrage nach den im Januar emittierten Papieren (ISIN XS2747600018 / WKN A3826T) von E.ON, ebenso nach Bonds von Bayer (ISIN XS2630112014 / WKN A351U0; ISIN XS2630111719 / WKN A351U1), Deutscher Bank, Deutscher Telekom und Knorr-Bremse. Diese seien zwischen 2025 und 2033 fällig und würden aktuell Renditen zwischen 2,28 und 4,4 Prozent bieten. Brunner zufolge werde der noch bis 2028 laufende Bond (ISIN DE000A3510K1 / WKN A3510K) der Deutschen Rohstoff AG weiter gern genommen. Der werde mittlerweile zu 108,5 Prozent gehandelt. (Ausgabe vom 09.02.2024) (12.02.2024/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
101,037 € 101,336 € -0,299 € -0,30% 23.02./18:02
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
BE0000361700 A3LUL3 101,80 € 100,29 €
Werte im Artikel
24,08 plus
+9,45%
43,00 plus
+7,51%
102,49 plus
+0,67%
101,78 plus
+0,65%
99,17 plus
+0,43%
97,35 plus
+0,36%
100,62 plus
+0,34%
99,35 plus
+0,11%
102,01 plus
+0,09%
108,75 plus
0,00%
96,41 minus
-0,07%
101,04 minus
-0,30%
95,80 minus
-0,52%