Anleihen-Handel: "Statt Liquidität jetzt Bundesanleihen"


04.11.22 15:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der EZB vergangene Woche legten diese Woche die US-Notenbank und die Bank of England nach, beide setzten die Leitzinsen weiter hoch, so die Deutsche Börse AG.

"Vonseiten der US-Notenbank, der Bank of England oder EZB gibt es bislang keine Signale auf ein baldiges Ende des Straffungskurses", stelle Ralf Umlauf von der Helaba fest.

Die Renditen stiegen wieder. "Manche hatten damit gerechnet, dass die US-Notenbank den Zinserhöhungszyklus doch schneller beendet", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank. Zehnjährige US-Anleihen würden am Freitagmittag mit 4,15 Prozent rentieren. Die zehnjährige Bundesanleihe werfe nach einem kurzen Ausflug unter 2 Prozent aktuell wieder 2,25 Prozent ab.

Die US-Notenbank habe am Mittwoch die Leitzinsen - wie erwartet - um 75 Basispunkte angehoben auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Sie habe zwar ein langsameres Tempo angedeutet, aber auch klargemacht, dass eine Zinserhöhungspause kein Thema sei. Der Zinsgipfel in diesem Zyklus könne höher liegen als zuletzt erwartet. Die Bank von England habe ihren Leitzins am Donnerstag ebenfalls um 75 Basispunkte angehoben, auf nun 3 Prozent. "Das war der größte Schritt seit 1989", bemerke Brunner.

Auch die Signale der EZB seien eindeutig: Laut EZB-Chefin Christine Lagarde sei die Teuerung in der Eurozone, die im Oktober 10,7 Prozent erreicht habe, viel zu hoch. Die EZB werde alle ihre Instrumente nutzen, um die Inflation wieder auf den Zielwert von 2 Prozent zu bringen, habe Lagarde am Donnerstagabend in einem Interview mit dem lettischen Fernsehen erklärt.

Die wieder höheren Renditen würden Anleger*innen nun zugreifen lassen, wie Brunner beobachte. "Die Renditen sind ja durchaus wieder ansehnlich, da wird Liquidität in Bundesanleihen umgeschichtet."

Weiter gute Nachfrage sehe Brunner außerdem für eine auf US-Dollar lautende Staatsanleihe (ISIN US445545AF36 / WKN A1GPDL) Ungarns, die bis 2041 laufe und 7,625 Prozent im Jahr biete.

"Sichere" Bundesanleihen? Der starke Zinsanstieg habe für kräftige Verluste am Anleihenmarkt gesorgt, auch bei vermeintlich sicheren Papieren. Der Bloomberg-Index für deutsche Bundesanleihen komme auf Sicht von einem Jahr nun auf ein Minus von 28 Prozent, wie Bloomberg melde. Der DAX sei hingegen im selben Zeitraum nur um 18 Prozent gefallen.

Auch viele Unternehmensanleihen würden sich hoher Beliebtheit erfreuen. Gut an komme laut Brunner nach wie vor die im Oktober 2023 fällige Anleihe (ISIN XS1910851242 / WKN A2RT0W) von GRENKE mit Kupon von 1,5 Prozent. Ebenso gefragt seien Bonds von VW mit Kupon von 1,375 Prozent und Fälligkeit im Oktober 2023 (ISIN XS1893631330 / WKN A2LQ6B) sowie mit 3,375 Prozent und Fälligkeit 2028 (ISIN XS2152061904 / WKN A2LQ6L). Alle würden zum aktuellen Kurs Renditen zwischen 2,5 bis 4 Prozent abwerfen. Auch beliebt sei Brunner zufolge die noch relative neue Anleihe (ISIN DE000A30VMF2K/ WKN 30VMF2) von Semper idem Underberg mit 5,5 Prozent bis 2028.

Gut nachgefragt sei laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine Anleihe (ISIN XS1589806907 / WKN A19FK2) von HeidelbergCement, die bis 2026 laufe und einen Kupon von 1,625 Prozent habe. Aktuell liege die Rendite bei 3,63 Prozent. "Generell überwiegt bei Unternehmensanleihen mittlerweile wieder die Nachfrage, gerade bei kürzeren Laufzeiten von zwei bis drei Jahren und Stückelung von 1.000 Euro", berichte der Händler. Allerdings schrumpfe das Angebot von Anleihen mit kleinen Stückelungen. "Alte Anleihen laufen aus, neue werden meist mit 100.000 Euro-Stückelung begeben." Auch die im derzeitigen Umfeld aus Anlegersicht attraktiven Floater würden kaum begeben. "In Erwartung steigender Zinsen sichern sich Unternehmen lieber noch feste niedrige Kupons."

Daniel melde außerdem größere Umsätze auf der Kaufseite für eine auf US-Dollar lautende Anleihe (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ) der argentinischen Provinz Neuquen mit Kupon von 6,625 Prozent und Fälligkeit 2030. "Da könnte die Währung der Grund sein", mutmaße der Spezialist vom Frankfurter Parkett.

Weitere Verluste würden hingegen viele Immobilienanleihen verzeichnen. "Die Branche ist stark unter Druck wegen des Zinsanstiegs, am gestrigen Donnerstag senkte zum Beispiel DIC Asset seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr", berichte Rainer Petz von Oddo BHF. Die bis 2026 laufende DIC-Anleihe werde aktuell nur noch um 52 Prozent gehandelt, Anfang des Jahres seien es noch 94 Prozent gewesen.

Betroffen seien auch Anleihen von ERWE Immobilien (ISIN DE000A255D05 / WKN A255D0) sowie - schon länger - Accentro Real Estate (ISIN DE000A254YS5 / WKN A254YS) und Adler Group. (04.11.2022/alc/a/a)





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