Anleihen-Handel: Renditen steigen unaufhaltsam weiter


13.06.22 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank die erste Zinserhöhung seit elf Jahren für Juli angekündigt, so die Deutsche Börse AG.

Zugleich habe sie das Ende des Anleihekaufprogramms - ebenfalls wie prognostiziert - zum 1. Juli in Aussicht gestellt. Mit diesen Maßnahmen möchten die Währungshüter die Inflation bekämpfen: Mit 8,1 Prozent sei sie im Euroraum weit über der Zielmarke. Europäische Staatsanleihen hätten mit weiteren deutlichen Renditezuwächsen reagiert.

Der Markt hätte auf die erwarteten Ankündigungen freundlich reagieren müssen, beurteile Arthur Brunner von der ICF Bank die Maßnahmen. "Dass es anders kam, liegt am angehobenen Inflationsausblick und an den Aussichten, dass demnächst die Zinsen um 50 Basispunkte steigen könnten. Das war ein Paukenschlag." Die EZB erwarte für dieses Jahr 6,8 Prozent Inflation in der Eurozone und 3,5 Prozent im kommenden Jahr.

Bleibe der Inflationsausblick unverändert hoch, würden die Währungshüter 0,5 Prozent Zinserhöhungen im September in Aussicht stellen. "Nunmehr werden 0,5 Prozent Erhöhung fest eingepreist", kommentiere auch Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank.

Zehnjährige Bundesanleihen würden nach der Ankündigung auf einem Achtjahreshoch rentieren, zuletzt bei 1,43 Prozent. Noch stärker würden die Renditen einiger Peripheriestaaten steigen: In Italien hätten die Renditen zehnjähriger Staatspapiere um 27 Basispunkte auf 3,63 Prozent zugelegt, in Spanien würden Zehnjahrespapiere mit 2,65 Prozent rentieren. Mit steigenden Zinsen werde es für höherverschuldete Volkswirtschaften teurer, neue Schulden zu machen.

"Auf die so genannte Fragmentation, dass in der Eurozone die Zinsen auseinander treiben, wird die EZB reagieren müssen", erkläre Tim Oechsner von der Steubing AG. Sie dürfte dann gezielt in Anleihen dieser Staaten investieren. Schließlich kaufe sie lediglich netto keine Schuldtitel mehr, ersetze aber auslaufende Anleihen. Der aktuelle Unterschied zwischen zehnjährigen Bunds und den gleichlang laufenden italienischen Pendants 225 Basispunkte und damit auf dem Niveau wie seit Mai 2020 nicht mehr.

Schon im Vorfeld der EZB-Sitzung hätten Staaten wie Mittelständler neue Schuldtitel emittiert, um sich das aktuelle Zinsniveau zu sichern, und nähmen dafür womöglich Kursrücksetzer in Kauf, berichte Brunner. So habe Spanien zehnjährige Zinspapiere mit zehnjähriger Laufzeit und 2,55 Prozent Kupon emittiert.

Oechsner berichte von Käufen und steigender Nachfrage nach Ukraine-Papieren mit 7,75 Prozent Kupon, die bis September dieses Jahres laufen würden. Er registriere immer wieder Käufe, die Anleihe steige stetig. Seit März sei sie von unter 30 auf aktuell 70 Prozent gestiegen.

Unternehmensseitig würde der eine oder andere Emittent nach Angaben von Brunner aktuelle Schuldtitel zurückkaufen: "Denn wenn die Zinsen steigen, werden die Kupons in diesem Bereich steigen." So habe die Media and Games Invest von einer Anleihe mit 5,75 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2024 mit 350 Millionen Euro Volumen insgesamt 115 Millionen Euro zurückgekauft und im Zuge dessen eine neue Anleihe begeben. Dieser Floater, also eine Anleihe mit variablem Zins, biete 6,25 Prozent Kupon plus einer Kopplung an den Referenzzinssatz EURIBOR, der vierteljährlich gezahlt werde.

Insgesamt sehe Oechsner Investor*innen eher auf dem Rückzug bei Investments in Mittelstandsanleihen - die Nachfrage sei niedrig. "Das ist kein Wunder angesichts der immer wieder sinkenden Kurse", ergänze er. Die Risikoneigung habe spürbar abgenommen. Aber mit einem verbesserten Konjunktur- und Inflationsausblick dürfte mehr Hoffnung der Anleger*innen wieder Käufe nach sich ziehen.

In den Anleihen (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP, ISIN DE000A19MDV0 / WKN A19MDV) der Metalcorp Group S.A., einem Dienstleister für Metalle- und Mineralien-Beschaffung, registriere Oechsner hohe Umsätze auf der Geld- wie auf der Briefseite. "Hier machen sich die kleinanlegerfreundlichen Stückelungen und die vergleichsweise hohen Kupons von 7 bis 8,5 Prozent bemerkbar." Außerdem wachse das Unternehmen weiter und habe eine ausstehende Anleihe (ISIN NO0010795701 / WKN A19JEV) vom Juni 2022 zurückgezahlt.

Ebenfalls Bewegung auf Kauf- und Verkaufsseite gäbe es bei Titeln des Hafenlogistikers R-LOGITECH. Schuldpapiere mit 8,5 Prozent Kupon, die bis März 2023 laufen würden, seien bei moderat schwankenden Kursen gefragt, aufgrund von Angebot und Nachfrage, auf der Geld- und Briefseite. Nach 83 Prozent Anfang März stünden sie aktuell bei 95 Prozent. (Ausgabe vom 10.06.2022) (13.06.2022/alc/a/a)






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