Anleihen-Handel: Kursfeuerwerk nach abkühlender US-Inflation


14.11.22 09:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eine stärker als erwartet gesunkene US-Inflation im Oktober hat ein Kursfeuerwerk am Anleihen- und Aktienmarkt ausgelöst, so die Deutsche Börse AG.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sei in der Folge bis auf 140,72 Punkte gestiegen. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen sei auf 2 Prozent gesunken. Inzwischen stünden sie bei 2,045 Prozent (11.11.2022). Die Rendite der US-Treasuries mit Laufzeit zehn Jahre sei unter die Marke von 4 Prozent gefallen. Sie notiere aktuell bei 3,81 Prozent (11.11.2022). Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen würden sich ebenfalls reduzieren.

"Es ist noch ein langer, langer Weg bis zu einer normalen Inflation", würden Jim Reid, Henry Allen und Tim Wessel von der Deutschen Bank kommentieren. "Aber da die monatliche Kerninflation so niedrig wie seit über einem Jahr nicht mehr ist, haben sich Anleger sofort auf die Hoffnung gestürzt, dass die FED die Zinsen nicht so aggressiv anheben muss", hätten die Analysten die Marktreaktion erklärt.

Im Zuge der letzten FED-Sitzung habe Powell aber bereits kleinerer Zinsschritte in Aussicht gestellt, kommentiere Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank. Seitdem rechne der Markt bereits nur noch mit einer Erhöhung von 50 Basispunkten bei der nächsten Sitzung der US-Notenbank. "Deutlich gefallen sind allerdings die Erwartungen für den Zinsgipfel. Insgesamt werden jetzt nur noch 100 Basispunkte Erhöhung mit einer finalen Rate von 5 Prozent erwartet." Durch die gesunkene Inflationsdynamik und die gesunkenen Zinserhöhungserwartungen reduziere sich auch aus Marktsicht die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft "abgewürgt" werde.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank warne vor einer neuen Bärenmarktrally. "Die Inflation ist nach wie vor zu hoch." Dennoch würden die Anleger*innen wieder zugreifen.

"Nach Veröffentlichung der Inflationsdaten wurde euphorisch in den Markt hineingekauft", berichte auch Arthur Brunner von der ICF Bank. Das habe ein regelrechtes Kursfeuerwerk ausgelöst. In Deutschland sei am Freitag allerdings ein 70-Jahreshoch der Inflation gemeldet worden. "Der Markt hängt weiter am Tropf der Notenbank."

Viele Notenbanker dürften nach Einschätzung von Jochen Stanzl von CMC Markets diese plötzliche Euphorie der Anleger mit Argusaugen beobachten. "Ihnen ist nicht daran gelegen, dass der Markt nun damit beginnt, das Thema Inflation zu Grabe zu tragen. Denn steigende Vermögenspreise schüren ihrerseits die Inflation und der Kampf der Zentralbanken gegen sie ist noch lange nicht beendet." Deshalb könne die Geldpolitik nun versuchen, dem Markt wieder etwas Wind aus den Segeln zu nehmen und auf eine immer noch hohe Kerninflation von 6,3 Prozent verweisen.

Brunner registriere eine hohe Nachfrage nach einer Anleihe der Europäischen Union. "Bei einer Laufzeit bis 2025 und 0,8 Prozent Kupon spielt hier vor allem die Zuverlässigkeit der Schuldnerin eine Rolle." Darüber hinaus werde ein Schuldtitel (ISIN US445545AF36 / WKN A1GPDL) Ungarns in US-Dollar, der bis 2041 laufe und mit 7,625 Prozent Kupon ausgestattet sei, gekauft.

Gekauft würden vor allem ausgewählte Unternehmensanleihen mit kurzlaufenden Fälligkeiten und relativ hohen Renditen, erkläre Brunner. So sei ein GRENKE-Papier mit Laufzeit 2023 weiterhin weit oben auf den Kauflisten. Darüber hinaus würden Unternehmensschuldscheine bonitätsstarker großer Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen gesucht. Bei Brunner steige die Nachfrage nach Fresenius Medical Care (ISIN XS2530444624 / WKN A30VPB). Auch Linde-Papiere mit Laufzeit 2024 und 1,875 Prozent Kupon seien bei der ICF Bank gefragt. Die Anleihe sei von 102,6 Prozent im August auf 99,9 Prozent gesunken.

Daniel hingegen vermerke überwiegend Verkäufe bei Unternehmensanleihen. Veräußert würden PNE-Papiere, die bis 2027 einen jährlichen Kupon von 5 Prozent bieten würden. "Wir sehen hier aber keinen Kursdruck." Vielmehr sei der Kurs von 100 Prozent zu Wochenbeginn auf 101,75 Prozent gestiegen. Ebenfalls wenig gefragt sei nach Angaben des Spezialisten vom Frankfurter Parkett eine Semper-Anleihe. Sie laufe bis 2025 und habe einen Kupon von 4 Prozent. Ihr Kurs falle von 94 Prozent am Monatsbeginn auf 91 Prozent.

Käufe wie Verkäufe vermerke Daniel bei der Württembergischen Lebensversicherung. Ihr Kurs erhole sich zum Wochenschluss auf 103 Prozent. (Ausgabe vom 11.11.2022) (14.11.2022/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 174,94 134,02
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