Anleihen-Handel: "Enormer Druck auf dem Markt"


02.09.22 16:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Noch höhere Leizinsen? Das scheint jetzt ausgemacht - in den USA und in der Eurozone, so die Deutsche Börse AG.

Die Anleihemärkte würden leiden. "Es ist ein enormer Druck auf dem Rentenmarkt", erkläre Rainer Petz von Oddo BHF. "Das Wording der Notenbanken hat sich sehr verändert."

Zuletzt hätten auch einige EZB-Ratsmitglieder ihre Bereitschaft für einen kräftigen Zinsschritt bekundet, unter anderem Isabel Schnabel. In den USA habe FED-Chef Powell vor einer Woche sehr klare Worte gesprochen. "Seit Powell am letzten Freitag die Märkte auf eine weiterhin straffe Geldpolitik eingestimmt hat, haben Rezessionssorgen die Oberhand", berichte Tim Oechsner von der Steubing AG. "Die Nervosität am Anleihenmarkt ist weiterhin hoch."

"Die Aussichten auf einen großen Zinsschritt von 75 Basispunkten bei der EZB-Sitzung am Donnerstag lassen schon seit Tagen die Renditen steigen", berichte Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Dazu beigetragen hätten auch die über den Erwartungen liegende Inflation im Euroraum und die überwiegend falkenhaften - also auf Zinserhöhungen hindeutenden - Wortmeldungen der EZB-Ratsmitglieder. Die Inflation im Euro-Währungsraum sei im August auf den Rekordwert von 9,1 Prozent geklettert.

"Die EZB muss ihre angeschlagene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen", fordere Robert Halver von der Baader Bank. Ansonsten drohe ihr ein ähnliches Schicksal wie ehemals den Notenbanken im europäischen Süden: Massiver Vertrauensverlust in die Fähigkeit, das Inflationsproblem zu lösen. "Und dann ist auch die Währung - siehe die Italienische Lira - nicht mehr zu halten, was Preissteigerungen in Dauerschleife fördert."

Am letzten Freitag blicke alles gen USA: Dort werde am Nachmittag der US-Arbeitsmarktbericht für den August erwartet. Von dem erhoffe man sich Aufschluss über den Zustand der US-Wirtschaft. Ein guter Jobmarkt würde der US-Notenbank Spielraum für kräftigere Zinserhöhungen geben.

Zehnjährige Bundesanleihen würden am Freitagmittag mit 1,58 Prozent und damit deutlich über dem Niveau vor einer Woche von 1,35 Prozent rentieren. Zum Vergleich: Anfang August seien es nur 0,71 Prozent gewesen. Auch in den USA würden die Zinsen wieder nach oben weisen: Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries liege aktuell bei 3,26 Prozent nach 3,08 Prozent vor einer Woche.

Laut Oechsner sei die Aktivität am Anleihenmarkt wieder gestiegen, Umsätze und Liquidität seien höher. "Die Sommerpause ist beendet, Marktteilnehmer kehren zurück an ihre Handels-Desks." Die Zeit für eindeutige Positionierungen sei aber noch nicht da. "Die Stimmung ist und bleibt fragil."

Oechsner melde gute Nachfrage nach Anleihen von SAP mit Kupon von 1,75 Prozent und Laufzeit bis 2027 (ISIN DE000A13SL34 / WKN A13SL3), RWE mit 2,5 Prozent bis 2025 (ISIN XS2523390271 / WKN A30VMU) und VW mit 0,125 Prozent bis 2027 (ISIN XS2374595044 / WKN A2LQ6R). Alle drei hätten eine Stückelung von 1.000 Euro.

Das Umtauschangebot für die bestehenden Anleihen von Semper idem Underberg führe zu höheren Umsätzen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Einige sehen das offenbar als Chance und kaufen, um in die neue Anleihe umtauschen zu können. Die habe immerhin einen höheren Kupon." Die bis 2024 (ISIN DE000A2LQQ43 / WKN A2LQQ4) beziehungsweise 2025 (ISIN DE000A2YPAJ3 / WKN A2YPAJ) laufenden Altanleihen, beide mit Kupon von 4 Prozent, könnten bis zum 26. September in eine neue Anleihe mit Kupon von 5 bis 6 Prozent und Fälligkeit 2028 umgetauscht werden. Der endgültige Zinssatz solle bis spätestens 28. September festgelegt werden.

Erneut schlechte Nachrichten seien vom Immobilienkonzern Adler gekommen. Wertminderungen und Notverkäufe von Anlageimmobilien hätten zu einem Verlust von 600 Millionen Euro im ersten Halbjahr geführt. Außerdem finde sich kein Wirtschaftsprüfer, der die Bilanz prüfen würde - KPMG habe sich im Mai zurückgezogen. "Die Anleihen von Adler Real Estate, etwa die 2026 fällige mit Kupon von 3 Prozent (ISIN XS1713464524 / WKN A2G8WZ), bewegen sich aber überhaupt nicht", erkläre Petz. Der Kurs der genannten Anleihe schwanke seit Wochen um 70 Prozent. (02.09.2022/alc/a/a)






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